Mit einer schlichten Pressemeldung sorgte das Bundesfinanzministerium für eine Hausse am deutschen Rentenmarkt. Für ein weiteres Jahr, teilte das Ministerium Ende vergangener Woche mit, werde auf die sogenannten Stückzinsen keine Quellensteuer erhoben. Das Amt wolle erst Erfahrungen sammeln und 1990 entscheiden, ob und wie Stückzinsen in die vom 1. Januar nächsten Jahres an geltende Quellenbesteuerung der Zinserträge einbezogen werden können. Wer zum Beispiel Bundesanleihen zwischen zwei Zinsterminen verkauft, bekommt die Zinsen für die Zeit gutgeschrieben, in der er im Besitz der Papiere war: die Stückzinsen. Die Kurse öffentlicher Anleihen kletterten nach dieser Meldung beträchtlich, die von der Deutschen Bundesbank errechnete Umlaufrendite festverzinslicher Wertpapiere sank erstmals seit April dieses Jahres wieder unter sechs Prozent. Genau umgekehrt lief es bei den bislang so beliebten DM-Auslandsanleihen; dort drückten Abgaben die Kurse.

Die Spekulation, mit dieser Regelung die ungeliebte Quellensteuer zu umgehen, indem etwa Anleihen kurz vor dem Zinstermin verkauft werden, dürfte allerdings kaum ausgehen. Gerhard Stoltenberg ließ nämlich auch mitteilen, daß das Ministerium die Entwicklung am Rentenmarkt aufmerksam beobachten werde. Sollte es Anzeichen für eine Hinterziehung von Quellensteuern geben, so ein Mitarbeiter des Hauses, "wird die Regelung wieder kassiert".

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Die Zahl der Börsianer wächst hierzulande zwar nicht, aber dafür werden sie immer jünger und immer gebildeter. Das hat jetzt der Arbeitskreis Aktie zusammen mit Infratest festgestellt. 1981 waren sechzig Prozent der Aktionäre unter fünfzig, nun sind es siebzig Prozent; im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der Aktionäre mit Abitur von 25 auf vierzig Prozent. bm