Für radioaktive Strahlung gibt es zweierlei Maß. Mit Becquerel (früher Curie) messen Wissenschaftler die Radioaktivität von Stoffen: von Wasser und Gestein, von Milch und Fleisch zum Beispiel. Das Becquerel gibt an, wieviele Atomkerne eines radioaktiven Materials innerhalb einer Sekunde zerfallen; ein Becquerel entspricht dem Zerfall eines Teilchens, pro Sekunde. Die alte Aktivitätseinheit Curie, seit 1985 in der offiziellen Nomenklatur abgeschafft, bezieht sich auf wesentlich größere Dimensionen: Will man Curie in Becquerel umrechnen, muß man den Curie-Wert mit 37 Milliarden malnehmen.

Die biologische Aktivität, also die Auswirkung der radioaktiven Strahlung auf den Menschen, wird in Sievert (bis 1985 in rem: 1 Sievert ist 100 rem) gemessen. Entscheidend ist die unterschiedliche biologische Wirksamkeit der Teilchen: Alphateilchen, die zum Beispiel in Plutonium vorkommen, sind zwanzigmal wirksamer als Beta- und Gammastrahlen, die etwa von Jod ausgehen.

Die durchschnittliche Strahlenbelastung der Bundesbürger (aus kosmischer Strahlung, Gestein, medizinischen Quellen und kerntechnischen Anlagen) beträgt knapp 200 Millirem im Jahr. Für Menschen, die beruflich mit ionisierender Strahlung in Berührung kommen, gilt als Obergrenze fünf rem im Jahr. Strahlenmediziner tun sich schwer mit Voraussagen. Die Internationale Strahlenschutzkommission rechnet damit, daß die zusätzliche Jahresdosis von einem rem bei einer Million Menschen 100 bis 200 zusätzliche Krebstote fordert. Derzeit sterben in den westlichen Industrieländern von einer Million Menschen 160 000 bis 180 000 an Krebs. Kaum zu kalkulieren sind die Langzeitfolgen: In Hiroshima und Nagasaki kam es neun Jahre nach dem Atombombenabwurf zu einer Häufung von Blutkrebs. Krebserkrankungen der Geschlechtsorgane, des Knochenmarks, der weiblichen Brust und der Schilddrüse erreichten erst 25 Jahre später ihren Höhepunkt in der Statistik.

F. H.