Vergebliche Wählermüh’? Die Hoffnung, Israels Wähler könnten die klaren Entscheidungen treffen, zu denen die Politiker nicht gefunden haben, hat wohl wieder einmal getrogen. Erneut droht das sterile Patt der beiden großen Parteien, des rechten Likud und der linken Arbeitspartei, die in den vergangenen vier Jahren mühselig gemeinsam regiert hatten.

Noch nie schaffte es in Jerusalem eine der führenden Parteien, aus eigener Kraft zu regieren. Immer bestimmten Koalitionen, politische Blöcke das Regierungsgeschäft. Oft genug gaben die kleinen Parteien den Ton darin an. Daran wird sich auch diesmal nichts ändern. Wie es die Strategen in den Parteizentralen auch hin und her wenden mögen: Im Grunde paßt keiner der möglichen Partner zum anderen. Und selbst wenn nach langem Zählen und im letzten Augenblick doch noch einer der beiden Großen mit seinen jeweiligen Minipartnern eine nach Mandaten rechnerisch tragfähige Koalition bilden sollte – spätestens bei der ersten schwierigen außenpolitischen Kraftprobe bräche sie auseinander.

Auf diesen vertanen Wahltag in Jerusalem folgen die amerikanische Präsidentenwahl und der Palästinenser-Kongreß in Algier. Dann können Weichen gestellt werden, die Israels Politik auf eine Weise herausfordern, wie selten zuvor – zu Entscheidungen über Krieg und Frieden. Eine schwache, von vornherein zerstrittene Regierung wäre unfähig, solche Situationen zu meistern.

Das beste aller schlechten Resultate dieser Abstimmung ohne klaren Sieger wäre dann immer noch ein befristetes Zweckbündnis der beiden Hauptgegner, dem Likud und der Arbeitspartei, und zwar mit dem einzigen legitimen Ziel: Neuerliche Neuwahlen nach einer Anstandsfrist im nächsten Frühjahr. Dann hätte, wenn sich erst die amerikanischen Verbündeten und die palästinensischen Gegner festgelegt haben, auch der israelische Wähler eine bessere Grundlage für ein deutliches Votum. Diesmal konnte er nicht schlauer sein als die Politiker. D. St.