Von Heribert Adam

Leverkusen, Ende Oktober

Liberale Buren, Russen und Joe Slovo, der Chef der in Südafrika verbotenen KP, trafen sich vergangene Woche in Leverkusen. Joe Slovo, in Litauen geboren, mit neun Jahren nach Südafrika gekommen, ist großbürgerlich, moderat, charmant, gebildet. Auf ihn konzentrierte sich das Interesse der Teilnehmer dieser Veranstaltung.

Der „Außenminister“ des afrikanischen Nationalkongresses (ANC), Johnny Makhatini, stand, über einen Kurzwellenempfänger gebeugt, im Hotel in Leverkusen. Um ihn herum saß ein Dutzend sowjetische Wissenschaftler und burische Akademiker aus Stellenbosch und Pretoria. Die Besucher dieser von der Friedrich-Naumann-Stiftung finanzierten, außergewöhnlichen Südafrika-Konferenz lauschten den Zwischenergebnissen der südafrikanischen Gemeindewahlen. Der ANC konnte zufrieden sein. Der Boykott-Aufruf ist befolgt worden.

Im Landesdurchschnitt haben nur 27 Prozent der registrierten schwarzen Wähler ihre Stimme abgegeben. Die meisten hatten sich gar nicht erst in die Listen eintragen lassen. Deshalb entsprechen die elf Prozent der Registrierten, die in Soweto abstimmten, einer Wahlbeteiligung von 2,8 Prozent. Meist waren es Briefwähler, weil kaum jemand den Gang zur Wahlurne riskieren wollte. In vielen Orten haben sich überhaupt keine Kandidaten aufstellen lassen.

Auch Buthelezi, der dem ANC kritisch gegenübersteht, hatte davor gewarnt, sich auf Bothas geplanten Nationalrat einzulassen, solange kein allgemeines Wahlrecht für die Zentralregierung eingeführt worden ist. Die zum erstenmal landesweit von allen Gruppen gewählten Gemeinderäte sollen Delegierte in einen zu gründenden gemischtrassigen Nationalrat entsenden, der dann unter weißer Leitung politische Reformen berät. Der breite Wahlboykott entzieht aber dem Nationalrat die Legitimität, solange die im Dauer-Ausnahmezustand verbotene ANC-UDF-Opposition daran nicht beteiligt ist.

Zwar hielten sich die befürchteten Gewinne der rechtsextremen weißen Parteien in Grenzen, doch machten sich die Teilnehmer der Tagung keine Illusionen über die wachsenden Sicherheitsängste von 80 Prozent der Weißen. Nur wenn mehr als die 20 Prozent liberalen Weißen für die demokratische Alternative gewonnen werden, läßt sich der schwelende Bürgerkrieg stoppen. Was müßte geschehen, um das Mißtrauen gegenüber demokratischen Prinzipien abzubauen?