Ballett-Intendant Forsythe

William Forsythe, der Direktor des Frankfurter Balletts, wird von 1990 an Ballett-Intendant der Städtischen Bühnen. Was wie eine bürokratische Formalie klingt, ist in Wahrheit eine revolutionäre Neuerung im schwerfälligen System der Drei-Sparten-Theater. Forsythe, der seit 1984 sein Frankfurter Ballett zu einem der besten Ensembles der Bundesrepublik gemacht hat, das auch vom Ausland umworben wird, untersteht künftig nicht mehr dem Opernchef Gary Bertini, sondern ist sein eigener Herr. In dieser Entwicklung spiegelt sich die wachsende Entfernung des zeitgenössischen Balletts von der Oper. Wie bei Pina Bausch oder Hans Kresnik gibt es auch in den jugendlichamerikanisch wirkenden Arbeiten von Forsythe mehr Berührungspunkte mit der Ästhetik des Schauspiels. In Frankfurt bezeugen das die "grenzüberschreitenden" Produktionen des Balletts mit Christof Nel ("Tränen des Vaterlands") oder Axel Manthey, Gisela von Wysocki und Ulrich Wildgruber: "Schauspieler, Tänzer, Sängerin".

Peter Weiss Tage

"Das Gesamtwerk von Peter Weiss muß in der Bundesrepublik Deutschland erst noch entdeckt werden. Sein Hauptwerk, ‚Die Ästhetik des Widerstands‘, ist zwar oft besprochen worden, auch gibt es bereits Doktorarbeiten darüber, aber wer hat den Roman gelesen?" So definiert der Hamburger Verein "Gemeinsam lernen" die Grundlagen für einen großen internationalen Kongreß, "Ästhetik, Revolte und Widerstand im Werk von Peter Weiss", der vom 4. bis zum 13.,November in der Kampnagelfabrik stattfindet. Über eine Woche lang beschäftigen sich Wissenschaftler, Theaterleute, Film-Regisseure und Maler, von morgens bis mitternachts, mit dem reichen Werk des Schriftstellers, Dramatikers, Filmemachers und bildenden Künstlers, der 1982 gestorben ist. Im Mittelpunkt der Tagung, bei der auch die Witwe des Autors, die Bühnenbildnerin Gunilla Palmstierna-Weiss, sprechen wird, steht die Lesung des Romans "Die Ästhetik des Widerstands". Theateraufführungen ("Der Freund der Fremde").

Journalistenpoesie: Pulsationen

Wenn es den Rang eines Dirigenten bestimmt, in welche Exzesse er seine Rezensenten treibt, dann ist Sergiu Celibidache seit langem der Größte. Kein Metaphern-Gipfel ist zu hoch, kein lyrischer Abgrund zu tief, wenn es gilt, die Taten des "Maestro" zu verherrlichen. Jeder Lobgesang ist schon gesungen – hundert und aberhundert Mal. Was soll man da noch schreiben?

"Was soll man da noch schreiben! Alles wunderbar." Mit diesem gellenden Aufschrei beginnt die Kritikerin Barbara Zuber ihre jüngste Celibidache-Rezension – und könnte hier (denn was soll man noch schreiben?) schon enden, wunderbar, wie noch kein Rezensent zuvor. Doch natürlich, wir ahnten es ja, ist das Ende am Anfang nur der Anfang vom Ende. Denn weil die Münchner Philharmoniker unter Celis Stabführung musizierten "wie die Götter", muß auch der Sterbliche, der Kritiker, beim Donnern helfen: