Köln, Zülpicher Straße, Neue Mensa, Dienstag morgen, 8 Uhr: Trotz "nachtschlafender" Zeit drängen Studenten zu Hunderten in den Speisesaal mit der schönen Bezeichnung "EG Süd". Von ernst blickenden Türstehern werden sie streng kontrolliert. Ohne Ausweis kommt da niemand rein.

Jägerschnitzel mit Reis und feinem Mischgemüse – das Essen von heute treibt die Studenten nicht zu so früher Stunde in die Mensa. Vielmehr ist Wissen fassen angesagt. Hier bereitet der Jurarepetitor Wolfgang Wegner Examenskandidaten auf die drohende Prüfung vor.

"Los geht’s, verehrte Kommilitonen", dröhnt es aus überall aufgestellten Lautsprechern. Spätestens jetzt ist jeder wach: Mit nasaler Stimme und einprägsamen Lehrsätzen hämmert der Einpauker seinen Schülern das Bürgerliche Gesetzbuch ins Unterbewußtsein.

"Wie bilanziert man?" fragt Wegner in die Menge und gibt die Anwort nach kurzer Pause selbst: Gewinne werden aufgeschrieben, – Verluste abgeschrieben. "Das dürfen Sie in diesem Bau der Depressiven da drüben aber nie so sagen", warnt er und zeigt auf das nahe Hauptgebäude der Universität.

Wer so redet, hat bei Studenten Erfolg – nicht nur in Köln: Mit flotten Sprüchen und geschickter Didaktik hat sich der kleine Kölner Einpaukbetrieb Wegner & Abels zum zweiten bundesweiten Anbieter für Jurarepetitorien gemausert. "Wir haben das Monopol von Alpmann & Schmidt geknackt", sagt Wegner nicht ohne Stolz.

Joseph Alpmann und Kurt Schmidt – das sind zwei Münsteraner Rechtsanwälte, die in den siebziger Jahren ein bundesweites Netz von Repetitoriumsfilialen aufbauten und Studentenherzen mit allerlei aufeinander abgestimmten Lernhilfen höher schlagen ließen: Skripte, Karteikarten oder Lernkassetten.

Mit ihrem professionellen Nachhilfeangebot hatten die rührigen Rechtsanwälte den zersplitterten Einpaukermarkt schnell monopolisiert: "Zeitweise bereiteten sich neunzig Prozent aller bundesdeutschen Jurastudenten mit Alpmann & Schmidt auf ihre Erste Staatsprüfung vor", schätzt der Kieler Juraprofessor Horst-Eberhard Henke.