Das Interesse am Wahren hört auf, je weniger es Lust gewährt...",fürchtete Friedrich Nietzsche. Die zwangsläufige Folge sei der Ruin der Wissenschaft und das Zurücksinken in die Barbarei. Gegen solche "Barberei" lockt seit nunmehr sieben Jahren der Deutsche Forschungsdienst mit seinen Leselust gewährenden "Geschichten, die die Forschung schreibt". Alljährlich veröffentlicht dieser wissenschaftliche Nachrichtendienst eine Auswahl der besten und interessantesten Geschichten aus seinem Angebot in Form eines Lesebuches.

Neben Fragen aus dem Tierreich, etwa ob tatsächlich das Gelée Royale aus einer schlichten Bienenlarve eine Königin zaubert, neuen Lasermeßsystemen, die Einsteins Theorien überprüfen sollen oder Fragen aus der Sozial- und Kulturgeschichte, beanspruchen in den letzten Ausgaben Umweltaspekte einen immer breiteren Raum. So ist zum Beispiel im demnächst erscheinenden siebten Band unter dem Titel "Raumschiff Erde in Atemnot" der Klimafrage ein eigenes Kapitel gewidmet. Es mehren sich die Indizien, daß menschliche Einflüsse das Klima verändern, möglicherweise mit schwerwiegenden Folgen. Da ist nicht nur vom Treibhauseffekt die Rede, sondern auch vom zunehmenden Eisgürtel um die Antarktis, verschobenen Regenzonen, oder neuen Erkenntnissen über den bei weitem noch nicht ausgeloteten Stellenwert der Weltmeere im Kohlendioxidhaushalt.

In einem weiteren Kapitel "Brennpunkt Umwelt" ist dann vom Sauren Regen, sauren Grundwasser oder der Nordsee-Algenpest die Rede. Doch die Autoren der siebzig Geschichten, Forscher und Wissenschaftsjournalisten, malen nicht nur schwarz: so gelten sieben Beiträge der umweltfreundlichen "Energie für Morgen und Übermorgen".

Wem solche "harte Wissenschaft" aber auf die Nerven geht, der kann in vierzehn Storys aus dem "Reiche des Lebendigen" schmökern, etwa warum Marder keine Mörder sind, Blumentiere mit schlimmen Tricks arbeiten oder archaische Bakterien als Urkugeln am heißen Meeresgrund überlebt haben. Sprachlich Interessierte erfahren, wie Markennamen von Ajax bis Xerox entstehen. Und wer sich gerne "Impressionen aus alten Zeiten" hingibt, vernimmt sicher gerne neue Kunde von den Amazonen, fragt sich, was Dionysos im Kartoffelacker zu suchen hat, oder er "lauscht" einer seit Jahrtausenden verklungenen Musik, die Inder einst Klangsteinen entlockten, die wie ein Xylophon aufgebaut waren.

Auch wenn manchem die Geschichten als zu kurze "Appetithäppchen" erscheinen mögen, so machen die Erzählbände doch ihrer Devise alle Ehre, die sich an einem Zitat Albert Einsteins orientiert: "Die meisten Grundideen der Wissenschaft sind an sich einfach und lassen sich in der Regel in einer für jedermann verständlichen Sprache wiedergeben." IK

  • Karl-Heinz Preuß, Rolf H. Simen (Hrsg.):

Geschichten, die die Forschung schreibt