ZDF, Freitag, 18.11., 14.20 Uhr: Itam Hakim, Hopiit", Wir, einer, das Volk der Hopi, ein Film von Victor Masayesva

Eine ärmliche Hütte. Ein primitiver Holzofen steht darin, daneben eine Schale mit Wasser. Ein hölzerner Balken stützt die Decke, an den Wänden türmen sich in notdürftig zurechtgezimmerten Regalen alte Dosen und Kisten. Auf einer Pritsche liegen Kinder und hören einem alten Mann in abgeschabten Kleidern und billigen Stoffturnschuhen zu. Die Hütte könnte in den Slums von Kalkutta oder Rio de Janeiro stehen, doch sie steht in einem indianischen Dorf irgendwo im Südwesten der USA.

Vermutlich rasen gerade in diesem Augenblick Touristen mit Kamera und Mietwagen vorbei, halten an einer der Souvenirbuden, kaufen "echten Indianerschmuck", kitschige Glasperlenketten und Felle, werfen vielleicht einen Blick des wohlmeinenden Bedauerns auf die verhärmten Gesichter und die elenden Quartiere der Eingeborenen und sehen die Indianer so, wie sie im Reiseführer beschrieben werden – ein armes Volk, an den Rand gedrängt, vom Aussterben bedroht.

Der alte Mann erzählt und singt: vom Vater, der wahnsinnig geworden ist; von den "Possen eines jungen Prairiehundes"; von der Herkunft des Menschen, der durch die "Stätte des Hervorkommens" in die Welt gestiegen ist, später nicht mehr zurück konnte, sich fortpflanzte und Masauu traf, den fremden Mann, der ihm sein Land geliehen hat; von der Herkunft des eigenen Stammes, der sich bei einem heiligen Berg niedergelassen hat, um dort seinem Gott zu dienen; vom Verderben, das durch das Christentum über den Stamm kam, und von der Rückkehr zum eigenen Glauben.

"Itam Hakim, Hopiit" – zu deutsch "Wir, einer, das Volk der Hopi" – ist der Film eines Hopi-Indianers. Fremd wie die Sprache des alten Mannes ist die Sprache der Bilder. Es sind die gleichen Bilder, die ein Geographie-Lehrfilm verwenden würde: Landschaften, die Maisernte, eine Klapperschlange, ein Raubvogel, Hütten, ein Gewitter. Es sind dieselben Bilder und doch nicht. Denn diese Bilder stehen für anderes, sie scheinen einem unbekannten Gesetz zu folgen, stammen aus einer fremden Tradition.

Ein Indianer erzählt, und er erzählt anders als ein abendländischer Geograph. Da ist etwa jener Sprung der Kamera vom Detail in die Totale, von der Wunde im Baumstamm auf die Axt, die sie geschlagen hat, und schließlich auf den Mann, der die Axt führt. Vor allem aber folgen die Bilder nicht chronologisch aufeinander, stellen keinen Zusammenhang von Ursache und Wirkung her.

Der Aufbau des Films erinnert an das rituelle Theater archaischer Völker, in dem Wort und Darbietung nebeneinander standen. Die Geschichten steigern sich von der Posse über das Geschichtsepos zum rituellen Höhepunkt, der religiösen Handlung, dem Tanz, der im Film durch Trommeln angekündigt, dann in einer langen Einstellung gezeigt und zuletzt im Zeitraffer beschleunigt wird.

Diese Geschichten sollen aufgezeichnet werden", sagt der Erzähler zuletzt, "damit die Kinder sich an sie erinnern, Diese Kinder werden sie sehen und sie noch verbessern. So wird es sein. Es wird nirgends aufhören." nms