Bansin als geistige Lebensform

Von Fritz J. Raddatz

Aus dem Schriftsteller Hans Werner Richter nur einen zu machen, der jene Postkarten schrieb, mit denen man zu den Tagungen der Gruppe 47 eingeladen wurde: das möchte – und das hat – so manch einem gefallen. Es ist literarische Mogelei. Da soll(te) einer weggelobt werden, hinstilisiert zur freundlichen, leicht tumben Vaterfigur, begabter zum Glöckchenschwingen auf Schreiber-Versammlungen als zum eigenen Schreiben. Noch jetzt, läßt man sich aus dem Archiv "1 Kilo Hans Werner Richter" kommen, um anläßlich seines 80. Geburtstages auf dem Papier über ihn nachzudenken, erhält man Auskunft reichlicher über ein Treffen in Sigtuna, den Grünwalder Kreis oder den Preis für Heinrich Böll als über die Bücher von Hans Werner Richter. Das Munzinger-Archiv schreibt, unrichtig-stellvertretend für viele: "Im September 1947 gründete R. die ‚Gruppe 47‘, ein selbstkritisches literarisches Forum ..."

Das ist so falsch wie ungerecht. Richter ist ein Schriftsteller von Graden. Die Schwierigkeit, sich darauf kritisch einzulassen, hat Joachim Kaiser einmal unübertrefflich formuliert: "Es ist sicherlich nicht angenehm, mit den sogenannten Großkritikern oder Päpsten verfeindet zu sein. Noch schlimmer aber, zu ihren Freunden zu gehören. Viele der bekannten Kritiker der Gruppe 47 empfinden den Hans Werner Richter als wichtigen Teil ihres Lebens, ihrer geistigen Entwicklung. Über die Bücher eines solchen ‚Vaters‘ kritischnegativ zu schreiben, wäre mittlerweile einfach takt- und anstandslos. Sie zu rühmen indessen geniert man sich. Wirkt es nicht aufdringlich, den Vater zu loben?" Ich werde mich hier dieser Aufdringlichkeit schuldig machen.

Heute wiedergelesen, beweist Richters Roman "Sie fielen aus Gottes Hand" eine Stärke, die wütend macht: Das war also alles geschrieben – so geschrieben – und ist unter den großen Plunderberg des Vergessens gekarrt worden? Drei lapidare Sätze zu einer Buch-Club-Ausgabe sind schneidend genug: "Das Buch erschien 1951. Wenige Jahre später war es vergriffen. Es wurde nicht wieder neu aufgelegt." Dabei verdiente der Roman hohe Auflagen. Verblüffend allein die Kaleidoskop-Technik, in der Richter seinen Bericht von der Zerstörung Mitteleuropas vorträgt – was an einem Tag geschieht in Estland und dem Lager St. Cyrien (von dem wir also hätten wissen können!), in dem die Franzosen die geschlagenen spanischen Republikaner einsperrten; in Polen und in Köln, in der Sowjetunion und in Paris. Das ist nicht nur ein genialer, gewiß von Dos Passos beeinflußter "technischer" Einfall; das ist auch die fast einzige Möglichkeit, das Gleichzeitige und Unwahrscheinliche, das Logische und Irrationale, das Absurde und Gesetzmäßige des großen europäischen Krieges episch zu strukturieren. Und nun kommt der Clou: Diese raffiniert ineinander montierten Lebensläufe einer Bardame und eines luxemburgischen Küchenjungen, der aus der Fremdenlegion in Indochina desertiert; eines estnischen Hauptmanns, der in die Rote Armee und in die Waffen-SS gerät, und des jüdischen Schusterjungen Slomon, der aus dem Warschauer Ghetto sich nach Palästina rettet; all diese Wahnsinnsbahnen von Häftlingen, Partisanen oder Wehrmachtshelferinnen: sind real. Hans Werner Richter hat – nannte Picasso das nicht einmal das Gesetz seiner Kunst? – nichts erfunden, alles gefunden: "Dieses Buch wurde in den Jahren 1949/1950 geschrieben. [...]. Deutschland war ein Trümmerfeld. Ein riesiger Flüchtlingsstrom wälzte sich In das Land. [...] Dem Ansturm nicht gewachsen, brachten sie die meisten kurzerhand in ehemaligen Lagern unter. Im Herbst 1949 besuchte ich mit dem Journalisten Claus Hardt ein solches Lager. Es war das Lager Hersbruck, nicht weit von Nürnberg. [...] Monatelang besuchten wir das Flüchtlingskommissariat und immer wieder das Lager Hersbruck. Alle Personen dieses Buches habe ich dort getroffen. Ihre Namen habe ich nur in den seltensten Fällen verändert. Sie alle haben uns ihre Schicksale erzählt, so wie ich sie hier in diesem Buch beschrieben habe."

Der Roman als riesiges Ready-made. Fraglos war es diese Modernität, dieses Verfahren, dem man in der bildenden Kunst von Schwitters bis Man Ray applaudiert, von dem zwei konservative Kunstbetrachter heftig irritiert waren. Thomas-Mann-Bewunderer Friedrich Sieburg – Sartres Definition moderner Prosa "Die Zeit des Beschreibens oder des Erzählens ist vorbei" in einem Nebensatz abtuend – reduzierte 1951 in der Gegenwart den Roman mit hochgezogenen Augenbrauen: "Es fragt sich nur, ob der Autor einen Roman schreiben oder sich einer hohen sittlichen Pflicht entledigen wollte. [...] Die Tatsachen, die uns hier auf fast siebenhundert Seiten terrorisieren, zeigen den Menschen in einem solchen Umfang seiner Freiheit beraubt, daß auch wir uns in unserer Freiheit, die Dinge zu ändern, hoffnungslos beschränkt fühlen. [...] Diesmal hat Richter seine Absicht weiter gespannt, ja so weit, daß die epische Form gefährdet ist. Er schreibt nicht mehr, er spricht mit der detailfreudigen Beredsamkeit eines Erzählers, der sich vor der Kunst wie vor einem Spiel fürchtet, das des grausigen Ernstes seines unermeßlichen Themas nicht würdig ist. [...] Er scheint zu sagen: ‚Ich gebe euch die Fakten, fangt damit an, was ihr wollt.‘ Die Fakten sind indessen ausgewählt und zusammengestellt, weil es einfach nicht möglich ist, sie vollständig zu geben. Der Erzähler in ihm überwältigt immer wieder den Berichterstatter, ist aber nicht entschlossen genug, die Führung an sich zu reißen. Die Diktatur der Tatsachen bedroht die künstlerische Persönlichkeit." Sieburg-Verächter Thomas Mann schreibt zwei Monate später in einem Brief an Hermann Kesten (der Richters Buch für den Rene-Schickele-Preis vorgeschlagen hat): "Das Buch (beeinflußt mehr von Sartre als von Dos Passos, wie mir scheint; aber das hängt vielleicht zusammen und hat nichts zu sagen) läßt künstlerisch viel zu wünschen übrig, aber, in Gottes Namen, man kann das geradezu als Eigenschaft nehmen, – eine gewisse künstlerische Abgerissenheit ist vielleicht Stempel und Tracht der Zeit. Eher sogar noch widerstand mir oft der Hang zur moralischen Gleichwerterei von allem – wie sie den Deutschen so paßt. Immerhin, auch dafür läßt sich etwas sagen. Und man muß zugeben, daß ein ernster Ehrgeiz, ein großer Wille vorhanden ist, in Bildern festzuhalten, was festzuhalten ist von der Verwilderung der Epoche, und eine respektable Kraftanstrengung, das Tausendfältige nicht zerflattern zu lassen, sondern es sozusagen in einer Faust zusammenzuhalten und es in einigen lose verbundenen Schicksalen zu konzentrieren. Also die Formung, brüchig wie sie ist, der Versuch einer Formung des Zeiterlebnisses, wie sie der jungen Literatur in all ihrer Reduziertheit, Unbildung und Unzulänglichkeit aufgegeben ist."

Sanfte Radikalität

Es brauchte einen eigenen Essay, um zu untersuchen, warum Richters Prinzip, das Chaos in das Kunstwerk einzubringen statt harmonisch von ihm zu reden, diese an Tatlin oder Lissitzky erinnernde Konstruktionsästhetik, Traditionalisten fremd bleiben mußte. Seinen ersten Roman nämlich, eine Art Vor-Böll, gradlinig argumentierend und herkömmlich erzählt, hatte Friedrich Sieburg 1949 noch "das bisher beste Kriegsbuch" genannt: "Wer geglaubt hatte, daß die Dialogform im deutschen Roman unrettbar als eine Nachahmung Hemingways wirken müsse, wird durch die Selbständigkeit überrascht, mit der Richter die Schilderung immer wieder in die natürliche Wechselrede auflöst und mit ihr eine unmittelbare Präzision erreicht, die in den deutschen Erzählungsversuchen der letzten Jahre so empfindlich fehlte." Das ist besonders spannend, weil Hans Werner Richters Dialoge in dieser Erzählung über den Obergefreiten Gühler, den die Amerikaner nach der Schlacht bei Monte Cassino gefangennehmen, der Versuch sind, die deutsche Schuld und die deutsche Not zu artikulieren. War es auch des Paris-Okkupanten Sieburg Schuld und Not? ",Dann bist du gegen Hitler?’ Ja, ich bin gegen Hitler.’ ‚Und du kämpfst doch für ihn.‘ ‚Nein‘, sagte Gühler, ‚ich bin nur ein Rad in der Maschine, das nicht herausspringen kann.‘ [...] ‚Dann möchtest du, daß die anderen siegen‘, begann Grundmann wieder. ‚Es ist besser für uns.‘ ‚Und du kämpfst doch gegen sie?‘ Ja, das ist ja der Wahnsinn’, sagte Gühler."

Bansin als geistige Lebensform

Hier ist ein anderes Element, das man wohl als Spezifikum des Schriftstellers Hans Werner Richter bezeichnen muß: seine geradezu quälende Aufrichtigkeit. Von diesem ersten Roman an über die "Briefe an einen jungen Sozialisten" bis zur meisterlichen Erzählung "Die Flucht nach Abanon" – Richter erspart nicht nur seinem Leser nichts; er erspart auch sich selber nichts. Heute, 1988, gibt es ja den gnadenlosen Blick so mancher Autoren auf die taubeglänzte Untertasse. Richter hat den gnadenlosen Blick auf sich als Teil von uns. Er hat sich nie davongestohlen und "Haltet den Dieb" geschrien. Er hat eine Zeit geschildert, in der wir alle stahlen – und er selber auch Dieb war. ",Warum glauben Sie, daß Deutschland den Krieg verliert?’ ‚Hitler verliert den Krieg. Es ist Hitlers, nicht Deutschlands Krieg.‘ Der Dolmetscher, der bei der Frage am Fenster gestanden hatte, drehte sich heftig um. ‚Ist das nicht dasselbe?‘ sagte er. ‚Nein‘, antwortete Gühler, ‚es ist nicht dasselbe.‘ [...] ‚Warum sind Sie dann nicht emigriert?‘ ‚Das wäre feige gewesen. [...] Was man bekämpft, muß man im eigenen Lande bekämpfen.‘ ‚Das ist Unsinn‘, sagte der Dolmetscher. ‚Vielleicht‘, antwortete Gühler. ‚Aber wir haben es versucht.‘ ‚Und warum sind Sie Soldat geworden?‘ ‚Weil ich Soldat werden mußte.‘ ‚Sie haben sich nicht widersetzt?’ [...] ‚Ein Toter kann sich nicht widersetzen.‘" Genauer kann man sich nicht definieren; uns auch nicht.

Hans Werner Richter ist dieser Selbst-Feststellung ein Schriftstellerleben lang treu geblieben. Es war dieser Konflikt, den er (gemeinsam mit seinem Freund Alfred Andersch) in und mit seiner Zeitschrift Der Ruf austragen wollte – und genau deswegen haben die dummen Amerikaner, die unter re-education eine Verabreichung und keinen Diskurs verstanden, sie verboten. Eigentlich war der Ruf eine siebzehn Zeitschriften-Nummern durchgehaltene Fortsetzung des hier zitierten Romandialogs.

Kein Zufall, daß – 26 Jahre später – es ein fiktiver Dialog sein sollte, der Hans Werner Richters politische Entwicklung und die schließlich erarbeitete Position vorführt: "Briefe an einen jungen Sozialisten". Der schmale Band liest sich wie eine Zusammenfassung auch des bis dahin vorgelegten literarischen Werks, das ja stets um die Themen Krieg, Nationalsozialismus, Marxismus und Versagen der Antifaschisten kreiste – ob in "Rose weiß Rose rot", in dem sich diese frappanten Sätze finden: "Thälmann sagt fast dasselbe wie Hitler. Er dreht es nur um. Er sagt zuerst soziale Befreiung und dann nationale Befreiung." Oder in "Spuren im Sand", wo ein einziger Satz das unauflösliche Gemenge von Angst, Kampf und Erotik begreift: "Es wurden viele Söhne und Töchter in diesen Wochen, genau neun Monate nach Beginn des Krieges, in dem Ort geboren." Ähnlich den "Briefen an einen jungen Katholiken" von Heinrich Böll sind die Richters an einen jungen Sozialisten beides in einem: Dialog und Monolog. Ein Versuch, im Überprüfen fremder Standpunkte den eigenen zu (er-)klären: "Du sagst, Erfahrungen machten reaktionär. Ohne die ständige Revision durch Erfahrungen wird der Sozialismus zur spindeldürren Orthodoxie."

Auffallend ist eine in Deutschland eher rare Eigenschaft; ich möchte sie "sanfte Radikalität" nennen. Niemals eifervoll, niemals schneidend, argumentiert Richter nichtsdestoweniger ganz unbeirrt. Für mich taucht hier am deutlichsten auch der "Chef" der Gruppe 47 auf – nicht, wie er sie und sich in einem leider enttäuschend banalen Plauderbändchen "Im Etablissement der Schmetterlinge" zeichnete, sondern wie es (er) wirklich war: gelassen einen Flohzirkus dirigierend, den er liebte und nicht sehr ernst nahm. Vor diesem Glitzerding, dem Riesenrad der Eitelkeiten, Karrierebeginne, Begabungsproben und Abstürze, dazwischen allerlei geschäftemachende Eichhörnchen und lispelnde Besserwisser, saß gemächlich, unaufgeregt und unbeeindruckt der Mann, den Leonhard Reinisch im Vorwort zu den "Briefen" sehr schön charakterisiert: "Er ist ein Genie der Freundschaft. Insofern könnte man folgern, daß er kein Linksintellektueller ist, zu dem Treulosigkeit als Charaktermerkmal gehört, sofern man Treue als ein zwischenmenschliches Phänomen versteht und nicht als Festhalten an einer Idee. Golo Mann hat einmal die Treue die höchste Tugend des Konservativen genannt. Richter besitzt diesen konservativen Zug."

Ebenso unaufgeregt gibt Richter über seinen politischen Werdegang Auskunft; weniger erzählt er die Autobiographie des noch vor 1933 aus der KPD ausgeschlossenen Buchhändlers, den Emigrationsversuch, die Zeit in Hitlers Armee oder die Kriegsgefangenschaft – also: die äußeren Stationen – als vielmehr von den Verwüstungen jener Erfahrungen, die er nicht leugnet noch uminterpretiert: "Wer die Nächte nach dem Reichstagsbrand in Berlin erlebt hat, die Nächte der Verfolgung, der weiß: Diese Verfolgung war allenfalls eine Kaninchenjagd von Totschlägern. Es gab keine Auseinandersetzungen, keine Gegenwehr, keinen Kampf, es gab nur Angst, Fatalismus, Opportunismus, und es gab vor allen Dingen das nicht, was Ihr Solidarität nennt und was auch wir so genannt haben." Dieser eigenartige Ton – lakonisch? konstatierend? – durchzieht das Bändchen. Fast nebenhin wischt er die flotten Sprüche aus irgendeinem Mao-Kurzlehrgang beiseite: "Und die Masse, in der wir wie Fische im Wasser hätten schwimmen müssen, bestand zu siebzig Prozent oder mehr aus Anhängern des Nationalsozialismus."

Hans Werner Richter, ein Meister des leisen Tons, dessen sehr feine pommersche Ironie – Bansin als geistige Lebensform – oft gar nicht verstanden wurde, hat sich nie wichtig gemacht, aber ernst genommen. Er hat sich wohl zeitlebens ein wenig als Lehrer gesehen, als einen, der ein paar Dinge mehr erfahren hatte; die wollte er weitergeben. Da – und keineswegs zuallererst im literarischen Kaefer-Delikatessen-Service – lag der Beginn der Gruppe 47; aus dem Begreifen wichtiger, schiefgelaufener, auch unheilvoller deutscher Traditionen wollte Richter ein neues Demokratieverständnis wachsen lassen: "Aus dieser Mentalität entstand die Gruppe 47, die damals oft als Antipode der sich entwickelnden Restauration verstanden wurde. Es war eine literarische Gruppierung, keine eindeutig politische, und als solche konnte sie politisch nur bedingt wirksam sein; aber es dürfte auch kaum ein Zweifel daran bestehen, daß die Angehörigen dieser Gruppe mit ihren publizistisch-politischen Arbeiten viel zur Veränderung der Atmosphäre in dieser Bundesrepublik beigetragen haben."

Spätes Meisterstück

Sehr erfolgreich fand er das Unternehmen nicht; das politische nicht – und das literarische auch nicht. Deshalb sagte er 1985 von jüngeren Autoren, sie könnten alle so gut schreiben, aber sie hätten nichts zu sagen: "Ich habe den Eindruck, daß wir in einer Talsohle sind. Die ganze literarische Entwicklung befindet sich in einer Talsohle. Es sind keine großen Begabungen entstanden in den letzten Jahren, nur ganz wenige, die erwähnenswert sind." Und deswegen hat sein Schreiben einen neuen, anderen Ton bekommen: den der Melancholie. Für seine Literatur war das ein "Vorteil" – schlechte Zeiten sind immer gute Zeiten für Literatur. So gelang Hans Werner Richter mit über 70 Jahren noch einmal ein kleines Meisterstück, die Erzählung "Die Flucht nach Abanon", durchzogen von den dünnen Fäden der Trauer wie der Altweibersommer. Eine Prosa-Etüde, die gelegentlich in ihrer Abschiedshaltung innerhalb einer kleinen glimmenden Hoffnung an Max Frischs "Montauk" erinnert. Doch ist es nicht nur der Abschied eines alternden Mannes vom Funkentanz auf der Haut; unterhalb der Dimension des Erzählten, der Begegnung mit einer Schauspielerin, die sich "ohne Grund", wie man so nett sagt, das Leben nimmt, liegt eine andere Dimension: Die Wirklichkeit zieht sich von uns zurück. Oder umgekehrt? "Die Jahre des großen Aufbruchs, der unbegrenzten Hoffnungen, der improvisierten Anfänge sind längst vorbei. Nichts ist davon geblieben als Gleichgültigkeit, Kontaktarmut, Perfektion. [...] Wen interessiert es schon, wie man lebt, worunter man leidet." Eine undeklamatorische Prosa. Aber in ihrem Gewebe, so zart und zugleich fest wie es die Spinnen leisten, zappeln wir alle, Täter und Opfer. Auch von einem, der mit gelassener Selbstsicherheit auf die Frage (des FAZ-Magazins) "Was möchten Sie sein?" antwortete: "Das, was ich bin."