Weniger von ihren Feinden als von ihren Freunden mußte sich die Bundesregierung immer wieder den Vorwurf anhören, sie habe ihre als Jahrhundertwerk gepriesene Steuerreform schlecht verkauft. Das mag schon sein; doch gleichzeitig ist unbestreitbar, daß die Bundesregierung zugunsten der Werbung für die Steuerreform eine ganze Menge Geld ausgegeben hat.

Genau 1 603 451,80 Mark kostete im Frühjahr die große Anzeigenaktion in den größten regionalen und überregionalen Tageszeitungen der Bundesrepublik, die es zusammen auf eine Auflage von mehr als dreizehn Millionen Exemplaren bringen. Am meisten konnte die Essener WAZ-Gruppe abkassieren.

Ihre Probleme haben die Grünen mit den Lehrern, vor allem wenn sie (wie in Hamburg) streiken, was Beamten bekanntlich untersagt ist. "Der Hamburger Lehrer-Streik muß weiter Schule machen", verlangte die Abgeordnete Imma Hillerich und scherte sich wenig um geltende Gesetze.

Ihr Fraktionskollege Ulrich Briefe zog sich da viel konsequenter aus der Affäre. Auch er solidarisierte sich mit den streikenden Lehrern, bot allerdings eine plausible Begründung: "Das Berufsbeamtentum ist ein alter Zopf aus der Mottenkiste des Feudalismus." Auf diese per Telegramm übermittelten "solidarischen Grüße" aus der Bonner Grünen-Fraktion hätten die Lehrer in der Hansestadt vermutlich gerne verzichtet.

Es gibt internationale Preise, die bringen den Geehrten wenig Geld, aber sie sind eine Menge wert. Das läßt sich sicher vom Karlspreis der Stadt Aachen sagen, den vergangene Woche Bundeskanzler Helmut Kohl und Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand entgegennahmen. Neben Prestige und einer goldenen Kette gab es für jeden der Preisträger lediglich 5000 Mark. Beide beeilten sich, die eher mickrige Summe für die Restaurierung des Aachener Doms zu stiften.

Im kommenden Jahr werden sich die Ausgezeichneten selbst den Kopf zerbrechen dürfen, wen sie für würdig halten, den erstmals zu vergebenden Adenauer-de-Gaulle-Preis für Verdienste um die deutsch-französische Zusammenarbeit zu erhalten. Auch da gibt es wenig zu verdienen. Der Haushaltsentwurf für 1989 sieht in den Mitteln des Auswärtigen Amtes 10 000 Mark vor, Frankreich soll einen gleich hohen Betrag beisteuern.

Still geworden ist der Streit um die Gestaltung einer künftigen europäischen Währungsbank, der nicht zuletzt Bonn und Paris entzweite. Eine Kommission unter Jacques Delors bemüht sich seit dem Sommer um einen tragfähigen Kompromiß. Wo die deutsche Seite nicht nachzugeben gedenkt, präzisierte am Wochenanfang in Bonn Wolfgang Röller, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken. Er fordert als Grundvoraussetzung für eine europäische Währungspolitik "Stabilitätsverpflichtung und von politischen Weisungen unabhängige währungspolitische Institutionen".