Die Sowjetbürokratie hat eine besondere Gabe für sprachliche Verbrämung. Aber die Prawda griff das Stichwort nicht auf und fragte nicht nach, wie solche ungerechtfertigte Unterdrückung in Zukunft vermieden werden könne, oder wie es möglich war, daß so erhabene Humanisten wie die KGB-Kader unschuldige Kollegen verfolgten. Das Wort "Fehler" – die letzte müde Zuflucht sowjetischer Apologetiker – findet sich nirgendwo in dem Interview. Wie der Heilige Stuhl, so gibt auch der KGB Fehler nicht zu.

Tschebrikows Versprechungen für die Zukunft sind von anderer Art, und der Alte mit dem Schnurrbart hätte ihnen durchaus zustimmen können. "Ich möchte mit absoluter Klarheit hinzufügen", versichert er der Prawda, "daß feindliche Elemente und andere Personen, die sich auf den Pfad staatsfeindlicher Tätigkeiten begeben, nach dem Gesetz zur Rechenschaft gezogen werden". Auch Gesetzesänderungen werden es diesen Verblendeten nicht leichter machen, wenn Tschebrikow sich durchsetzt. Und wer wird in der Kommisson für Gesetzesreform einem ehemaligen KGB-Chef widersprechen wollen?

  • I.F. Stone ist Journalist und Schriftsteller in Washington. Mit seinem 1972 erschienenen Buch "Verrat durch Psychiatrie" löste er den langen Streit der Internationalen Psychiatrischen Vereinigung über den Mißbrauch der Psychiatrie in der Sowjetunion aus.