Der erste Freilandversuch läuft an – und provoziert die Kritiker

Von Heinrich Billstein

Köln

Seit Monaten stehen die Gentechnologen vom Kölner Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung (MPI) im Zentrum ökologischer Kritik. Dabei hatten die Wissenschaftler der Abteilung Molekulare Pflanzengenetik zunächst allen Grund zur Freude. Die Erbgutbastler in Köln-Vogelsang kreierten eine Petunien-Variante, die in der Natur nicht vorgesehen ist. Mit fremdem Erbgut haben sie das zarte, aus Südamerika stammende Pflänzchen im Reagenzglas verändert.

Zwar wird die bei Hobbygärtnern beliebte Petunia hybrida bereits in zahlreichen Farben gezüchtet; eine lachs- oder ziegelsteinrote Blüte, wie die Forscher sie schufen, konnten die Züchter auf natürlichem Wege bislang jedoch nicht hervorbringen. Die Blumenindustrie hat bereits ihr Interesse an der bevorstehenden Kölner Blütenpracht bekundet.

Erzielt wird die neue Farbe mit Hilfe eines Mais-Gens, das die Geningenieure gemeinsam mit einem Antibiotika-Resistenz-Gen in eine weißblühende Petuniensorte eingeschleust haben. Aber nicht Schönheit war der Zweck der neuen Blüte, der lachsrote Farbton soll vielmehr dazu dienen, die Stoffwechselwege der Pflanze besser zu verfolgen. An der genmutierten Petunie wollen sie die Arbeitsweise der sogenannten "springenden Gene" (Transposon) erforschen, die auf andere Gene überspringen, sie verwandeln und so für die Mutationen der Pflanzen sorgen.

Weiße Mutanten