Hongkong ist dreckig, Hongkong ist laut, Hongkong ist alles andere als ein Urlaubsziel. Wer sich bemüht, diese quirlige Stadt dem Touristen schmackhaft zu machen, muß Essig als Himbeersaft verkaufen. Genau das wird in dem Buch

"Hongkong und Macau"; Werner Krum; Prestel Verlag, München 1988; 39,80 Mark,

versucht. Der Autor malt ein liebliches Bild dieser Stadt, in der man vor lauter Menschen kaum einen Fuß vor den anderen setzen kann, in der täglich ein großer Raubüberfall geschieht. Handwerker werden bei Krum zu "chinesischen Heinzelmännchen", Animierdamen regen ihn an zu völkervergleichendem Tiefgang: "Ist das alles so ganz anders als bei uns?"

Mit Wegbeschreibungen wie "wir wenden uns nach Westen" oder "wir wenden uns wieder stadteinwärts" zieht uns Krum über ausgetretene Pfade und füllt so die 300 Seiten mit träger Lesemasse. Lesenswert wird das Buch erst, wenn der Autor die Geschichte der Stadt abhandelt. Alles andere ist Qual. Auch der Teil über die 400 Jahre alte portugiesische Kolonie Macau zieht sich zäh über die Seiten.

Stilblüten verraten die lieblose Redigierarbeit: "So erscheint die Unbewegtheit der chinesischen Gesichter von all dem (dem Erotischen) unberührt." Mit schwülstigen Formulierungen versucht Krum das ihm Fremde einzufangen.

Begegnungen mit Menschen aus der Handelsmetropole fehlen. Krum bleibt ein belesener Tourist, der staunend durch das Fremde stolpert, das mitunter sogar falsch erklärt wird. So sind für ihn amahs chinesische Haushälterinnen, die es angeblich in Hongkong kaum mehr gibt. Tatsächlich aber ist die neue Generation der amahs, die von den Philippinen kommt, die stärkste Frauenorganisation in Hongkong.

Werner Krums Hongkong-Buch ist eine träge Fleißarbeit, der es an jenem Fieber fehlt, das diese aufregende Stadt ausmacht. dc