Von Hans-Joachim Schmidt

FRANKFURT. – Das Bundesverteidigungsministerium und die Verbündeten sind in die Defensive geraten. Tieffluglärm stößt auf immer größeren Widerstand in der Bevölkerung. Inzwischen sprechen sich alle Parteien für zum Teil radikale Maßnahmen aus: Während die Grünen und Teile der SPD den Verzicht aller Tiefflüge fordern, möchte die FDP und wollen viele in der CDU/CSU den Tiefflugbetrieb über der Bundesrepublik deutlich vermindern. Und der Druck der öffentlichen Meinung wird noch wachsen, wenn sich erste, vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebene Untersuchungen erhärten sollten, daß der Lärm von Übungen in den Tiefstflugzonen (Mindestflughöhe 75 Meter) zu Gesundheitsschäden führt.

Was aber kann geschehen? Ganz allgemein gilt: Es gibt erheblichen Spielraum zur Verringerung des Fluglärms. Schon jetzt wird die Zahl der Tiefflugübungen über dem Bundesgebiet immer wieder unterschritten – oft um 10 bis 30 Prozent –, weil das Wetter es nicht anders erlaubt oder Kosteneinsparungen es verlangen.

Aber nicht alle Vorschläge, die zur Zeit in die Debatte geworfen werden, versprechen Abhilfe. Das gilt auch für zwei, die vor allem vom Bundesministerium der Verteidigung unterbreitet werden. Da wird zum einen für die größere Streuung der Tefstfluggebiete plädiert; schon 1985 hatte das Ministerium versucht, die Zahl dieser Zonen von zur Zeit sieben auf 49 zu erhöhen und so die Belastung besser zu verteilen. Aber die Bundesländer wehrten sich damals und wehren sich heute, zum Teil mit gewichtigen Argumenten. Sie verweisen an schon vorhandene Umweltbelastungen, auf anderen militärischen Flugverkehr und ähnliches. Ob diese Widerstände diesmal überwunden werden können, ist zweifelhaft.

Zweifelhaft ist auch das andere Rezept der Hardthöhe, nämlich Tiefflüge zunehmend ins Ausland zu verlegen. Schon heute führt die Luftwaffe fast die Hälfte ihrer Übungen in Kanada (zu einem kleinen Teil auch über Sardinien) durch, und in der Türkei werden entsprechende Möglichkeiten erkundet. Aber damit würde das Problem nur auf die kanadischen Ureinwohner und die türkischen Bauern abgewälzt, und schon jetzt mehren sich die Unmutszeichen in der dortigen Bevölkerung. Die Auslandsverlagerung kann daher langfristig keine Lösung sein.

Was aber kann dann helfen? Es gibt kurzfristige, mittelfristige und langfristige Möglichkeiten, die Belastung durch den Tieffluglärm erheblich einzudämmen.

  • Kurzfristige Maßnahmen wären