Es hat ihm nichts genutzt, dem kleinen stählernen Mann, daß er gekämpft hat bis zum Umfallen. Auch seine Wandlung vom Eismann zum mitreißenden, leidenschaftlichen Redner hat keine Früchte mehr getragen. Wie vier andere demokratische Kandidaten während der letzten fünf Präsidentschaftswahlen mußte sich auch Michael Dukakis der Niederlage beugen.

Schon läuft die Ursachenforschung auf vollen Touren. Verweigerten die Wähler dem Sohn griechischer Einwanderer ihre Stimme, weil er mit seiner schmächtigen Statur, mit einem Kopf von mediterranem Zuschnitt so gar nicht dem landläufigen Fernsehgeschmack entsprach? Verlor er die Wahl, weil das Bush-Lager erfolgreich die Zweifel an seiner Vaterlandsliebe schürte? Sprang er zu kurz, weil er statt an die Gefühle an die Vernunft und das Einsehen der Amerikaner appellierte?

Dukakis war als erfolgreicher Gouverneur angetreten. Was er in seinem Heimatstaat Massachusetts vollbracht hatte, das wollte er auch in ganz Amerika schaffen: die Staatsfinanzen ausgleichen, die soziale Gerechtigkeit fördern, die Krankenfürsorge für alle Bürger einführen. Fiskalisch war Dukakis in seinem eigenen kleinen Reich auf jeden Fall konservativer als die konservative Regierung Reagan, die in acht Jahren über eine Billion Dollar an Schulden angehäuft hat. Der Vorwurf, er sei ein radikaler Liberaler, richtete sich deshalb zumindest in der Finanzpolitik zu Unrecht gegen ihn.

Der Demokrat hat sich den Wählern als ein Aktivist präsentiert. Er nannte die Probleme, er analysierte sie, er wollte sie lösen. Aber die Mehrheit der Amerikaner wollte keine rauhen Wahrheiten hören, sondern weiter in der Reagan-Idylle schwelgen.

Noch eine weitere Schwierigkeit stellte sich dem demokratischen Kandidaten in den Weg zum Weißen Haus. Er war psychologisch dem Balanceakt nicht gewachsen, den Schwarzen und anderen ethnischen Minderheiten sein Engagement zu zeigen, ohne dabei die weißen Wähler zu verprellen. Michael Dukakis hatte sich aufgemacht, ein kompetenter und mitfühlender Präsident zu werden. Der Versuch ehrt ihn, auch wenn er erfolglos blieb. Ulrich Schiller, Washington