An zwei Dingen hat das Ruhrgebiet keinen Mangel: an Arbeitslosen und Konferenzen darüber, warum die Lage so desolat ist. Aufgeschreckt vom Protest der Rheinhausener Krupp-Arbeiter, hatten Anfang des Jahres Politiker, Unternehmer, Gewerkschafter und Verbändevertreter auf gleich zwei Montan-Konferenzen medienwirksam über Abhilfe nachgedacht. Millionenbeträge wurden versprochen, Arbeitsgruppen gebildet, allseits Aufbruchstimmung geortet. Doch acht Monate später ist die Situation an der Ruhr unverändert trostlos. Trotz extrem günstiger Konjunktur liegt die Arbeitslosenquote weiterhin über fünfzehn Prozent.

Nun haben Großunternehmen entschlossen die Initiative ergriffen, um, so Veba-Chef Rudolf v. Bennigsen-Foerder, zu demonstrieren, daß auf den Montantreffen nicht nur Spruchblasen gemacht worden seien. Über einen gemeinsamen Fonds von fünf Millionen Mark will die Creme der deutschen Wirtschaft Sport, Kultur, Unterhaltung, Wissenschaft und Kunst im Krisengebiet fördern und so helfen, das Ruhrgebiet attraktiver zu machen. Neben Veba beteiligen sich unter anderen Thyssen, Mannesmann, Krupp, Daimler-Benz und die Deutsche Bank an der Aktion. Mehr als ein PR-Gag kann das wohl nicht sein. Es geht vorrangig um Arbeitsplätze. Und die könnte, wenn denn wirklich Interesse am Ruhrgebiet besteht, jede der beteiligten Firmen ohne Umweg über einen Fonds aus eigener Kraft schaffen. mhf