Auch ein anderes Argument für Unternehmer, ihre Gewinne nicht im Betrieb anzulegen, gilt nicht mehr. Sinkende Zinsen machen den Kauf von Wertpapieren nicht mehr zum todsicheren Geschäft, produktive Investitionen versprechen heute eine bessere Rendite. Süsser: "In jedem Fall ist die Sachkapitalverzinsung wieder höher als die Realverzinsung von Schuldverschreibungen."

Schon Mitte 1986 hatte das IW verkündet: "Investieren lohnt sich wieder" – dank fallender Zinsen und steigender Gewinne. Doch der Geschmack an risikoreichen Investitionsengagements blieb unterentwickelt und hat sich erst in den vergangenen Monaten eindeutig durchgesetzt.

Möglicherweise spricht sich in der Wirtschaft auch herum, daß Investitionen eine gute Vorbereitung auf den europäischen Binnenmarkt sind. Darauf deutet das Ergebnis der DIHT-Umfrage hin. Neben der Kostensenkung ist die Produktinnovation das zweitwichtigste Motiv für Investitionen im Jahre 1989. Die Kapazitätserweiterung wird an dritter Stelle genannt, gefolgt vom Umweltschutz.

Einen Schönheitsfehler hat die Erfolgsbilanz allerdings immer noch: die fast unverändert hohe Arbeitslosigkeit. Der DIHT schließt zwar aus seiner Umfrage, daß die günstigen Erwartungen "einen Hoffnungsschimmer auf den Arbeitsmarkt" werfen. Immerhin dreizehn Prozent aller Unternehmen planen, ihren Personalstand im kommenden Jahr aufzustocken, 72 Prozent wollen ihn halten. Der DIHT: "Einen so hohen Wert hat es seit Beginn der achtziger Jahre nicht mehr gegeben."

Doch gleichzeitig wächst das Angebot an Arbeitskräften, nicht zuletzt durch den Zuzug der deutschstämmigen Aussiedler. Da reicht sogar die unverhoffte Investitionskonjunktur nicht aus, um auch auf dem Arbeitsmarkt eine Trendwende zustandezubringen. Selbst wenn es am Jahresende 150 000 Arbeitsplätze mehr gibt als zwölf Monate zuvor – die Zahl der Arbeitslosen wird damit nicht geringer.