Die irische Regierung strebt eine Verdoppelung der Besucherzahlen von zwei auf vier Millionen bis zum Jahr 1992 an. Dadurch sollen zu den heute 80 000 touristischen Arbeitsplätzen noch einmal 25 000 kommen.

Der Tourismus als Heilmittel gegen Arbeitslosigkeit? Werden nun auch in Irland all die Dinge verschwinden, die die grüne Insel so liebenswert und im Vergleich zu anderen Zielen so unvergleichbar gemacht haben? "Der Irlandbesucher muß keine Angst haben, daß er in Zukunft dieses Reiseziel nicht wiedererkennt. Wir streben allein eine Qualitätsverbesserung und eine Ausweitung der Saison an", erläutert Fehin Maher, General Manager Europa des Irish Tourist Board, die Pläne seiner Regierung. Irland dürfe man nicht mit den Sonnenzielen vergleichen, und zum anderen seien sich alle bewußt, daß die Einmaligkeit der Landschaft, die Kultur, das Dorfleben, die saubere Umwelt und die stillen Fischgewässer das Kapital sind, mit dem sich wuchern läßt. Fehin Maher: "Wir wären ja töricht, wenn wir das Bild durch zügellosen Ausbau von Hotels und ein planloses Straßenbauprogramm zerstören würden."

Bei der Verwirklichung der touristischen Pläne in den nächsten vier Jahren soll jeder Ansatz ins Massenhafte verhindert werden. Von den zwei Millionen Touristen, die jetzt jährlich Irland besuchen, kommt die Hälfte aus Großbritannien – zum großen Teil auf Verwandtenbesuch –, es folgen Nordamerikaner; an dritter Stelle stehen die Westdeutschen, deren Zahl für dieses Jahr mit rund 120 000 Gästen angegeben wird. Die nächsten Gruppen sind Franzosen, Schweizer, Holländer und Italiener, eine finanzstarke Schicht, die immer zahlreicher die Atlantikinsel entdeckt. Knapp ein Drittel der westdeutschen Gäste sind "Intervallbesucher", die alle zwei oder auch vier Jahre kommen. Auffallend stark vertreten sind darunter sowohl ältere Menschen als vor allem auch junge Leute, die das Irish Tourist Board in Zukunft noch intensiver umwerben will.

Schwerpunkt der Pläne ist es, die vorhandenen Bed & Breakfast-Häuser und die Bauernhöfe zu fördern und zu erweitern. "Wir müssen hier keine neuen Häuser bauen, wenn es uns gelingt, Bauern und Familien zu überzeugen, noch mehr Zimmer für Gäste zur Verfügung zu stellen", sagt Fehin Maher. Vergrößert werden soll die Kette der Mittelklassehotels, bestehende Häuser will man modernisieren.

Auch die so beliebte Freizeitflotte auf dem Shannon braucht eine Erneuerung. Da die rund 500 Boote im Durchschnitt zehn Jahre alt sind, sollen sie neu herausgeputzt werden. Um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden, ist geplant, die Flotte auf tausend Boote aufzustocken. Fehin Maher: "Der Shannon und seine Randgewässer sind so groß, da verlieren sich die Boote."

Geplant sind außerdem Bungalowanlagen, wie sie bereits erfolgreich in England und Holland betrieben werden. Diese Feriendörfer sollen im Inneren Irlands entstehen, denn Hauptziel des Regierungsplanes ist es, das Inselinnere für den Tourismus zu erschließen. Außerdem – und dabei sollen auch die Ferienparks mit Freizeiteinrichtunger wie überdachten Schwimmbädern helfen – will man die Saison in das Frühjahr und in den Herbst hinein verlängern. Die Auslastung der Hotellerie liegt im Jahresdurchschnitt bei 43 Prozent, mit Spitzenwerten um 90 Prozent zwischen Juni und September.

Um das Innere des Landes, so die Vorstellungen der Regierung, die mit einer jährlichen Besucherzuwachsrate von 15 Prozent rechnet, zugänglicher zu machen, soll die Infrastruktur (vor allem Straßen und Bahnlinien) verbessert werden. Der Ausbau des inneririschen Flugverkehrs ist bereits abgeschlossen. Von Dublin aus kann man Gork, Sligo und Galway gut erreichen. Ein Problem bilden noch, bedingt durch die Luxussteuer und die hohen Versicherungsprämien, die Mietwagenpreise. Fehin Maher: "Wir suchen nach steuerlichen Möglichkeiten, um diese Preise in Zukunft attraktiver zu machen. Ähnliche Bemühungen gibt es auch bei den Flugpreisen." Beinahe jeder zweite Irlandreisende kommt mit dem Flugzeug und mietet sich ein Auto. Siggi Weidemann