Vier internationale Konzerne streiten um die Vorherrschaft am Waschmittelmarkt

Finish heißt der Saubermacher, mit dem der Ludwigshafener Waschmittelhersteller John A. Benckiser Italiens Hausfrauen versorgt. Der Markenname könnte zum Omen werden, wenn es der Gruppe gelingt, zum zweitenmal in diesem Jahr den größeren Branchenkonkurrenten Henkel auszustechen und ein Geschäft abzuschließen, das die Düsseldorfer Firma Henkel KGaA für sich eingefädelt hatte.

Diesmal geht es um die Übernahme des Waschmittelherstellers Panigal in Bologna. Das italienische Unternehmen will seinen Marktanteil von vier Prozent möglichst teuer verkaufen. Wie andere mittelgroße Hersteller des Landes hat Panigal keine Absatzorganisation im Ausland. Spätestens wenn 1993 der europäische Binnenmarkt Wirklichkeit wird, würde Panigal mit wehender weißer Flagge untergehen. Denn wer in diesem Konsummarkt nicht mit aufwendigen Werbekampagnen klotzen kann, hat keine Überlebenschance. Besser jetzt die eigene Haut so teuer wie möglich verkaufen, heißt deshalb die Parole – zumal am italienischen Waschmittelmarkt ein mörderischer Kampf um die Marktprozente entbrannt ist.

Als erster hatte der Chemiekonzern Montedison in Mailand die Mehrheit an seiner Firma Mira Lanza Spa in Genua zum Kauf angeboten. Die Agrarindustriellen Ferruzzi, Großaktionäre der Montedison, brauchten viele Milliarden Mark zur Sanierung der Gruppe. Da war das Aktienpaket von 54 Prozent der Mira Lanza mit seinem Kaufpreis von 350 Millionen Mark eigentlich nur ein kleiner Fisch. Henkel hatte die Chance als erster erkannt. Mira Lanza verfügt über einen Marktanteil von acht Prozent. Hätte Henkel den Fisch an Land gezogen und die Marktkapazität seinen eigenen siebzehn bis achtzehn Prozent hinzufügen können, dann wäre das Düsseldorfer Unternehmen noch knapp vor Unilever auf den ersten Platz am italienischen Waschmittelmarkt gerückt.

Der von Ferruzzi-Präsident Raoul Gardini geforderte Preis schien den Produzenten von Dixan – Henkels wichtigster Marke in Italien – etwas teuer. Marktführer Unilever zeigte sich nicht interessiert. Auch der US-Konzern Procter & Gamble hielt es für günstiger, seinen siebzehn bis achtzehn Prozent hohen und damit dem Konkurrenten Henkel ebenbürtigen Marktanteil durch Verkaufsstrategie und nicht durch Übernahmemanöver zu stärken.

Der italienische Konzernherr Raoul Gardini fand dennoch einen spendablen Käufer für Mira Lanza. John A. Benckiser hatte mit der Übernahme einer amerikanischen Gruppe deren italienische Putz- und Waschmittelfirma Soilak erworben und sich auf fünf Prozent Marktanteil hochgerappelt. Die expansionslustigen Ludwigshafener zuckten nicht mit der Wimper und blätterten im Februar dieses Jahres 354 Millionen Mark auf den Tisch. Nun zählten auch sie mit dreizehn Prozent zur Spitzengruppe am italienischen Markt der Waschmittel. Schon teilten sich die vier großen Anbieter siebzig Prozent aller italienischen Waschmittelumsätze.

Inzwischen ging das Großreinemachen auf diesem Markt weiter, als die italienische Firma Panigal in Bologna Verkaufsbereitschaft signalisierte. Wieder war Henkel der erste Interessent. Für eine Viertelmilliarde Mark boten die Bologneser nicht nur vier Prozent am Waschmittelmarkt, sondern auch noch ein Sortiment von Lebensmitteln wie Konserven, Obstsäfte und Reisprodukte. Diesen Zweig hätte Henkel weiterverkaufen können. Aber wieder schien den Düsseldorfern der Preis etwas happig.