Von Gunhild Freese

Wir sind wieder wer", stellte Peter Tamm, der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, im April dieses Jahres zufrieden fest. Damals hatten die Brüder Franz und Frieder Burda gerade ihr Aktienpaket von 26,1 Prozent am Hamburger Verlagshaus Springer an die Erben des 1985 verstorbenen Firmengründers Axel Springer zurückverkauft. Mit etwas mehr als fünfzig Prozent hatten sie, unter der Führung der Verlegerwitwe Friede Springer, nun wieder das Sagen.

Doch der Friede währte nur kurz. Denn schon bald kündigte ein anderer Erbe seine Ansprüche an: Hubert Burda, der jüngste der drei Brüder und Alleinverleger beim Zeitschriftenverlag Burda GmbH in München und Offenburg. Er reklamierte ein Vorkaufsrecht auf das Springer-Paket gegenüber seinen Brüdern und zog vor das Offenburger Landgericht (Streitwert: 230 Millionen Mark). Am Dienstag dieser Woche gab Richter Hans-Christoph Bechthold dem klagenden Bruder in vollem Umfang recht. Und im Hause Springer könnte mal wieder Unfrieden einziehen.

Gemeinsam mit seinen Brüdern war Hubert von Axel Springer 1985 kurz vor dessen Tod als verlegerischer Erbe ausersehen worden. Doch schon ein Jahr später, wenige Monate nach dem Tod des eigenen Vaters, des Offenburger Verlegers Senator Franz Burda, trennten sich die drei Brüder. Während Hubert das Stammhaus, Verlag und Druckerei übernahm, konzentrierten sich Franz und Frieder auf die Beteiligungen und sonstigen Aktivitäten aus dem väterlichen Erbe. Dazu zählte auch das Springer-Paket.

Diese Erbteilung hatte im Hause Springer alsbald tüchtige Turbulenzen zur Folge. Denn die Konflikte der Aktionärsgruppen Burda auf der einen und Leo Kirch auf der anderen Seite versetzten den Zeitungskonzern monatelang in Unruhe. Der Münchner Filmhändler Kirch, zunächst durchaus auf einer Wellenlänge mit Springer-Vorstandschef Peter Tamm, hatte sich in aller Stille auch ein Springer-Paket zusammengekauft – doch die Burdas wollten ihn, den verschwiegenen Außenseiter, nicht akzeptieren. Sie betrachteten sich selbst als verlegerische Erben und Unternehmer im Hause Springer. Als sie sich schließlich von der Familie Springer wie vom Vorstand des Unternehmens kaltgestellt sahen, verbündeten sie sich überraschend mit Leo Kirch. Der Springer-Clan schien auf einmal ausmanövriert. Erst massives Zureden brachte die Brüder zum Einlenken. Sie überließen der Familie Springer ihr Paket.

Damit aber hatten sie ihren Bruder Hubert verärgert. "Hinter seinem Rücken", so klagte Jürgen Todenhöfer, CDU-Bundestagsabgeordneter und zugleich ein Geschäftsführer der Burda GmbH, sei der Springer-Anteil zurückverkauft worden. Dabei hätten Franz und Frieder zunächst ihrem Bruder Hubert das Paket anbieten müssen. Das Vorkaufsrecht wird hergeleitet aus einigen Punkten der Grundsatzvereinbarung, die die drei Burdas bei der Realteilung Ende 1986 abgeschlossen hatten. Da heißt es unter Nummer sieben, daß sich die Brüder "gegenseitig für die übernommenen Beteiligungen Vorkaufsrechte" einräumen, und unter Nummer elf: "Die Brüder werden sich in ihren künftigen Tätigkeiten auch im übrigen bestmöglich unterstützen."

Das freilich sahen die beiden älteren Burdas nicht so eng. Zwar wolle man sich wohl unterstützen, hieß es in Baden-Baden, dem Firmensitz der F & F Burda Gesellschaft für Beteiligungen, aber andererseits habe man die unternehmerischen Aktivitäten getrennt. Und dabei wurde Springer auch ein Ankaufsrecht zugestanden – von allen drei Brüdern. Der Jüngste solle nun lernen, ohne Anlehnung allein fertig zu werden und Verantwortung zu übernehmen. So warfen die Brüder dem Verleger Hubert Burda gar vor, bisher nur wenig Dynamik und Kreativität in seinen Unternehmen gezeigt zu haben.