In der Tat hat sich das Verlagshaus in den vergangenen Jahren nur wenig bewegt. Mit den Zeitschriften Bunte, Bild + Funk zählt Burda zwar zu den Großen im heimischen Verlagsgewerbe, mit einem Umsatz von 969 Millionen Mark steht das Unternehmen aber mit deutlichem Abstand nur auf Platz vier der Branche. Und mit aufsehenerregenden neuen Entwicklungen konnte Hubert Burda bislang nicht aufwarten. Die eigene Handschrift als Verleger fehlt noch.

Gleichwohl hat er den brüderlichen Zwist wohl nicht angefacht, um bei seinen Brüdern abzukassieren. Hubert geht es um Höheres. Er möchte nicht nur das väterliche Erbe im Schoß der Familie halten, er sieht sich auch unverändert als geistiger Erbe Axel Springers, der sein großes Vorbild ist. So gab er im Herbst vergangenen Jahres seinen eigenen Unternehmen vier "Grundwerte" als Leitfaden, die stark an Springer erinnern. Auch Hubert Burda fühlt sich und sein Unternehmen der demokratischen, sozialen und rechtsstaatlichen Ordnung verpflichtet, will die Menschenrechte, die Marktwirtschaft und die Aussöhnung zwischen den Völkern unterstützen und betont Selbstbestimmungsrecht und Einheit Deutschlands.

Doch der Verleger Burda sah mit der Rückgabe des Aktienpakets auch nachteilige Folgen für sein Unternehmen. Leicht nämlich könnten, so fürchtet er, die Springer-Erben ein Paket an den Hamburger Großverlag Heinrich Bauer weiterveräußern, um nicht die Zinslast der kreditfinanzierten Summe für den Rückkauf tragen zu müssen. Eine solche Verbindung aber, so ließ Hubert Burda vor Gericht vortragen, würde seinem Unternehmen schwer schaden. Und Jürgen Todenhöfer, ein Schulfreund von Hubert Burda und sein Stellvertreter in der Geschäftsführung, sah gleich das ganze Unternehmen mit seinen 4491 Mitarbeitern in seiner Existenz bedroht. Da möchte Burda schon lieber selbst bei Springer mit am Tisch sitzen.

Die Kontakte und freundschaftlichen Beziehungen zwischen Hubert Burda und der Familie Springer wie auch dem Verlagshaus sind denn auch nicht abgebrochen. Eine Klage auf Herausgabe des Aktienpaketes, so scheint es derzeit, kommt daher kaum, in Frage. "Einvernehmliche Lösungen", so betonte nach der Urteilsverkündung des Gerichtsverfahrens Jürgen Todenhöfer, sollen nun angestrebt werden.

Das gilt nicht nur für Springer. Auch die brüderlichen Bande sollen nicht zerschnitten werden, obwohl Herbert Warth, Geschäftsführer von F & F Burda, bereits den Gang zur nächsten Instanz, dem Oberlandesgericht in Karlsruhe, ankündigte. Doch die Brüder haben im Tagesgeschäft weiter miteinander zu tun. So beliefern Franz und Frieder den Bruder mit Zeitschriftenpapier und vertreiben seine bunten Blätter. Und alle gemeinsam finden sie sich als Gesellschafter im Unternehmen ihrer Mutter. Mit je 25 Prozent sind Hubert, Franz und Frieder am Aenne-Burda-Verlag beteiligt. Die eigenständige und tüchtige Verlegerin wird es wohl zu verhindern wissen, daß die Brüder einst auch in ihrem Unternehmen in Streit geraten.