Mag auch einst Hamburgs Flagge über Besitzungen in Südamerika und in der Südsee geflattert haben, mögen Hamburgs Agenten in den Häfen der Weltmeere auf Orders von der Elbe gewartet haben – allgegenwärtige globale Präsenz war den Hamburgern nicht vergönnt. Dies blieb dem Hamburger vorbehalten, jenem gebratenen Hackfleischklops, der seine kulinarische Erfüllung zwischen Brötchenhälften findet.

Hamburger sind, seitdem sie auch in kommunistische Länder Eingang gefunden haben, sozusagen zum Weltfutter geworden und damit zum Fixpunkt für hungrige Reisende. Wer Sushi oder Souvlaki mißtraut, wird nicht lange suchen müssen, bis er sein gewohntes Standardmahl findet.

Was lag also näher, als den Hamburger zum wahren Maßstab eines Kaufkraftvergleichs zwischen den Ländern dieser Welt zu machen? Reisende wissen ja, wie lästig dieses Hin- und Herrechnen mit Valuten ist. Devisenkurse unterliegen entweder dem undurchschaubaren Spiel internationaler Finanzkräfte oder der offiziellen Festlegung durch mehr oder minder exotische Regierungen. An den Hackfleischklopsen jedoch läßt sich finanziell wenig makein und manipulieren. Diese Erkenntnis war die Geburtsstunde des "Big Mac Index". Der teuerste unter McDonald’s’ Standard-Hamburgern wurde zum internationalen Standard erhoben. Eine Gaudi-Ökonomie von der Firma, die weltweit mit einem Clown wirbt? Mitnichten. Selbst gestandene Banker nehmen den Buletten-Bankert mittlerweile so ernst, wie es einem Hamburger gebührt.

Wie sonst wäre es zu erklären, daß selbst das Wall Street Journal des Unsinns unverdächtig, wenn es um Geld geht, kürzlich den neuen Maßstab der Finanzwelt, den "Big Mac Index", als hilfreiches Instrument beim schnellen Vergleich verschiedener Währungswerte anpries. Sogar mit dem "Gold Standard" vergangener Jahre wurde der Hackfleischklumpen verglichen. Mit positivem Ergebnis; denn Gold könne man schließlich nicht essen, erkannten die Schreiber.

Wie steht er denn nun, der Big Mac? Die Wall-Street-Journalisten verglichen ihn nach dem Devisenkursstand und dem Hamburgerpreis vom 30. Juni dieses Jahres, gemessen am Wert ihres Dollars. Demnach war der Musterklops aus Deutschland zwei Prozent teurer als in Manhattan – im Weltmaßstab keine nennenswerte Abweichung und verglichen mit Norwegen (92 Prozent teurer) oder Finnland (75 Prozent plus) schon gar nicht. Auch die Schweiz (37), Frankreich (28), Japan (27) und unser liebes Ferienland Italien (19) erfordern einen tieferen Griff in die Urlaubskasse.

Ungarn ist der heiße Tip der Banker für McDonald’s-Urlauber: 66 Prozent ist der Big Mac in Budapest billiger als in Brooklyn. Auch die Türkei (minus 57 Prozent) und Hongkong (minus 56) verheißen billige Kost. In Jugoslawien kann man den Rundling für ein Drittel weniger mümmeln und selbst in Großbritannien noch knapp ein Fünftel sparen.

Die spinnen, die Amis, möchte man meinen, wenn man Hamburger eher den kulinarischen Verirrungen als den fiskalischen Instrumenten zuordnet. Falsch. Denn der Vater des "Big Mac Index", so das Wall Street Journal, ist Georg Grimm aus Bonn. Das Finanzblatt zitiert ihn so: "Der ‚Big Mac‘ ist primitiv, aber jeder versteht ihn. Man kann ihn einem Kind erklären, aber auch einem Regierungschef." Herr Grimm mag da Experte sein; immerhin ist er ein Ratgeber Helmut Kohls.

Beate Knudsen