Unsere Sprache hat Wörter, die sind wie Bauteile aus dem Heimwerkermarkt. Sie bieten sich als Allzweckwinkelschienenhalterungsträger an – preiswert, leicht, stabil und nach jeder Seite anschlußfertig, -mäßig ist ein solches Stück. Von Hause aus ist das Wort bescheiden und gar nicht universell. Damit es so praktisch werden konnte, mußte man es aus angestammten Verbindungen – wie ebenmäßig, unmäßig, rechtmäßig – herausschrauben und mit einem Normsteckanschluß versehen. Der erlaubt es nämlich, auch Substantive anzukoppeln: gesetzmäßig, behelfsmäßig.

Ist es in den alten Zusammensetzungen noch das Maß, das erkennbar den Sinn trägt – von gleichen Maßen, im rechten Maß – so stiftet das neue -mäßig eine weniger strenge Beziehung. Planmäßig und verhältnismäßig bezeichnen nicht mehr, von welcher Art das Maß der Dinge ist, sie meinen: einer Sache entsprechend, einer Sache gemäß. Diese Steckverbindung bietet immer noch soliden Zusammenhalt und verlangt vom Vor-Wort, daß es sich begrifflich eignet. Schlank und schön ist vieles nicht, was so gebaut wird, aber brauchbar und plausibel, zweckmäßig halt.

Hier bleibt der Fortschritt aber nicht stehen. Von der Schraub- über die Steckverbindung geht er zur Haftverbindung. Einmal kurz angedrückt, und das Bauteil sitzt, so wie sich das der Heimwerker wünscht. Griffgünstig und montagefreundlich sollen auch die Wörter sein. Oder halt gemacht werden, mit -mäßig zum Beispiel. Mengenmäßig und routinemäßig sind Übergangsmodelle. Leistungsmäßig gehört schon der neuen Technik an. In der alten Ausführung könnte es noch so gebraucht werden: "Unser Außendienst wird leistungsmäßig bezahlt." Das hätte eine innere Beziehung. Es wird aber nicht so gebraucht, sondern so: "Unser Außendienst hat leistungsmäßig nachgelassen." Das Anschlußstück meint nicht mehr: einer Sache entsprechend, sondern nur noch: mit einer Sache irgendwie zu tun habend. Die Wörter verschränken sich nicht, sie haften nur noch aneinander.

Jetzt kann frei kombiniert werden. Wie sagt der Trainer nach dem Spiel? "Am Schluß (in der Schlußphase, hätte der Reporter gesagt) konnten wir kräftemäßig nicht mehr mithalten."

Diese Heimwerkersprache taugt für öffentlichen so gut wie für privaten Gebrauch. Bewußtseinsmäßig und verhaltensmäßig heißt es bei schreibenden Kulturmenschen. Der Politiker verspricht die Haushaltsmittel schwerpunktmäßig einzusetzen. Und der Vorarbeiter hat Sorge, ob er im nächsten Bauabschnitt materialmäßig hinkommt. "In Leder", sagt der Möbelverkäufer, "müßte ich die Sitzgruppe bestellen, in Velours hab’ ich sie lagermäßig da." Wie der Urlaub war? "Also mit der Ferienwohnung haben wir echt Glück gehabt, bloß wettermäßig war es nicht besonders." Heißer Tip auf der Autobahnraststätte: "Ich würd’ auf jeden Fall Pfronten-Reutte fahren, trotzdem das kilometermäßig weiter ist."

An- und ausbaufähig ist unsere Sprache. Aktuelles verbindet sich fix mit altem Bestand. Sagt der Bereichsleiter zum Abteilungsleiter: "Das hat keinen Zweck, die PCs jetzt schon anzuschaffen, die brauchen wir erst, wenn wir softwaremäßig so weit sind."

Ausdruck! steht am Rande des Deutschaufsatzes in solchen Fällen. Geprochene Sprache schert sich darum nicht. Sie wird geschraubt, gesteckt, geklebt, wie es gerade so passen will. Manche Stücke freilich, die sie hervorbringt, sind gerade so wie manche Stücke aus dem Heimwerkermarkt – preiswert und sagenhaft praktisch. Nur leider zu nichts Vernünftigem zu gebrauchen. Jörn Kraft.