Gertrud Höhler, beurlaubte Professorin für allgemeine Literaturwissenschaften an der Universität Paderborn, soll Alfred Herrhausen bei der Realisierung eines zur Chefsache erhobenen Projektes helfen. Nach dem Geschmack des Vorstandssprechers der Deutschen Bank leidet der größte Geldkonzern der Bundesrepublik an einem spürbaren Defizit an "hierarchiefreier Kommunikation". In manchen Teilen seines Hauses, so der Bankchef vergangene Woche in einem Unternehmergespräch, würden Direktoren nur mit Direktoren und deren Stellvertreter nur mit Stellvertretern sprechen – "allenfalls noch mit einem Direktor, wenn der ihn fragt". Die Professorin soll nach intensiven Mitarbeiterbefragungen "Denkanstöße für eine konzeptionelle und organisatorische Bewältigung des Aufgabenkomplexes Unternehmenskultur/interne Kommunikation – public relation" geben.

Fast. ein Jahr lang suchte das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) vergeblich nach einem neuen Präsidenten; jetzt hat es endlich geklappt. Am Montag abend wählte der RWI-Verwaltungsrat den Strukturpolitiker Paul Klemmer, Inhaber eines Lehrstuhls an der Ruhruniversität Bochum, zum Nachfolger von Hans Karl Schneider an der Spitze des Essener Instituts. Der den Gewerkschaften nahestehende Rüdiger Pohl von der Fernuniversität Hagen, Mitglied des Sachverständigenrates, wurde zum dritten Mann im Vorstand neben Ulrich Heilemann bestimmt. Die Berufung Klemmers beendet ein monatelanges Gerangel zwischen der Bundesregierung und dem Land Nordrhein-Westfalen um den Kurs beim RWI. Das Votum des Verwaltungsrates, in dem sowohl Bonn als auch Düsseldorf vertreten sind, erfolgte einstimmig.

Als den Mitarbeitern des Duisburger Handelshauses Klöckner & Co in diesen Tagen die neueste Ausgabe der Firmenzeitschrift das Klöcknerhaus zu Gesicht kam, müssen sie sich verwundert die Augen gerieben haben. Denn unter der Rubrik "in eigener Sache" wird nicht etwa über die Beinahe-Pleite des Hauses berichtet, sondern des Firmengründers Peter Klöckner gedacht, dessen Geburtstag sich am 9. November zum 125. Male jährte.

Weiter hinten im Blatt heißt es über das Geschäft des ersten Halbjahres: "Der internationale Rohöl- und Produktenhandel hat Absatz und Umsatz erneut deutlich gesteigert." Und, wie man inzwischen weiß, Klöckner & Co wegen schiefgelaufener Spekulationsgeschäfte an den Rand des Ruins gebracht.

Auf einem eingelegten Blatt wird immerhin mitgeteilt, daß für Klöckner & Co im internationalen Rohölhandel ein "Verlustpotential" entstanden ist.

Am Klöcknerhaus war nämlich nichts mehr zu ändern, denn Redaktionsschluß ist spätestens drei Wochen Tor Erscheinen. Man hätte das Blatt allenfalls einstampfen müssen. Angesichts der hohen Verluste hielt man es aber wohl für richtig, nicht auch noch bei der Hauszeitschrift Geld in den Sand zu setzen.

Wieder einmal hadert Eberhard von Kuenheim, der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Motorenwerke AG (BMW), mit der Bonner Politik. Das Auslaufen der Steuerbefreiung für Katalysatorautos zum Septemberende bescherte BMW in dem Monat noch ein drastisches Hochschnellen der deutschen Zulassungen von mehr als hundert Prozent und sorgte für Produktionsnöte: Statt neuntausend Autos, wie im entsprechenden Vorjahresmonat, mußten im September dieses Jahres plötzlich zwanzigtausend Wagen ausgeliefert werden.