Es ist das am weitesten verbreitete Medizinbuch der Welt – und dabei ein echtes Handbuch. Das neue "MSD-Manual" läßt sich in einer Hand halten, während die andere in den über 3000 Seiten Dünndruckpapier blättert. Ein eingestanztes Griffregister erleichtert das Aufsuchen der medizinischen Begriffe, der Druck ist angenehm lesbar. Das Medizinhandbuch und Nachschlagewerk in einem, das nicht nur Profis schätzen, erscheint jetzt zum viertenmal in deutscher Sprache, und zwar als Übersetzung des "Merck Manual", das der amerikanische Chemiekonzern Merck seit 1899 herausgibt.

Regelmäßig alle fünf Jahre erscheint der Klassiker der Medizinliteratur unter dem deutschen Titel "MSD-Manual der Diagnostik und Therapie", für die die Münchner Merck-Tochter MSD Sharp und Dohme verantwortlich zeichnet. Wer die Klarheit angelsächsischer Fachbücher liebt, kommt somit ganz auf seine Kosten ohne dabei sprachliche Hürden überwinden zu müssen.

Renommierte Forscher und Universitätslehrer überarbeiten den Inhalt jeder neuen Auflage gründlich und bringen ihn auf den neuesten wissenschaftlichen Stand. Äußerst verständlich auch für den Nichtmediziner und sachlich zuverlässig sind alle Gebiete der Medizin – bis auf die Chirurgie – kurz und bündig beschrieben. Übersichtlich gegliedert bietet das MSD-Manual einen umfassenden Überblick über insgesamt 1724 Krankheiten. Auch psychosomatische Leiden und die an Bedeutung zunehmenden Abhängigkeiten von Alkohol und anderen Drogen werden abgehandelt.

Der Bestseller verlangt mitunter jedoch auch Phantasie beim Auffinden von Krankheiten. So ist die Originaltreue gegenüber der amerikanischen Ausgabe offenbar zu sklavisch befolgt worden. Wer sich etwa über die Borreliose, eine erst vor wenigen Jahren entdeckte und durchaus noch ungenügend bekannte Infektion informieren will, sucht das Stichwort im Sachverzeichnis vergeblich. Die durch Zecken übertragene Krankheit verursacht schwere Spätfolgen, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird. Da das Leiden 1975 in der amerikanischen Stadt Lyme/Connecticut erstmals entdeckt wurde, heißt es jenseits des Atlantiks Lyme-Krankheit und steht auch nur so im Register. Weil in den Vereinigten Staaten eine Arthritis vor allem als Spätfolge der Borrelieninfektion auftritt – in Europa hingegen dominieren neurologische Störungen – steht die Lyme-Krankheit alias Borreliose nicht bei den Infektionen, sondern im Kapitel über Erkrankungen des Bewegungsapparates, unter Arthritis.

Dennoch: unübertroffen ist das traditionsreiche Nachschlagewerk durch die ausführliche Information zu den verschiedenen Krankheiten. Der Leser erfährt rasch das verfügbare Wissen; sowohl über Ursache und Verlauf jeder Krankheit als auch über das Erkennen und die Behandlungsmöglichkeiten sowie die entsprechenden Vorbeugemaßnahmen. Das bietet kein Medizinlexikon.

Annelies Furtmayr-Schuh

• MSD Sharp und Dohme (Hrsg.):