Der Bremer Innensenator Bernd Meyer wird nun doch zurücktreten. Der 42jährige SPD-Politiker zieht die Konsequenzen aus dem Geiseldrama von Gladbeck und Bremen, das im August drei Menschenleben gefordert hatte und über weite Strecken vor der Fernsehkamera abgelaufen war.

Unmittelbar nach der Aktion hatte die bremische Opposition (CDU, FDP und Grüne) den Rücktritt Meyers gefordert. Meyer übernahm zwar die volle politische Verantwortung, verweigerte aber den verlangten Schritt: Erst sollten unabhängige Fachleute den gesamten Ablauf untersuchen. Die Landesregierung beauftragte damit den früheren Generalstaatsanwalt Günter Wendisch.

Der am 25. Oktober vorgelegte Bericht erhebt schwere Vorwürfe, die Wendisch in dem Satz zusammenfaßte: "Die Organisation war schlecht." Kritisiert wurden vor allem zwei Punkte:

  • Die Kaperung eines Busses in Bremen mit fast 30 Geiseln hätte verhindert werden können und müssen. Es habe – nicht nur bei dieser Gelegenheit – Durcheinander und mangelhafte Organisation geherrscht; es fehlte an energischer Führung.
  • Als der gekaperte Bus Richtung Osten fuhr, hätte ein Krankenwagen mitgeschickt werden müssen. Weil ärztliche Hilfe zu spät kam, starb ein 15jähriger Italiener.

Auch nach diesen Ergebnissen hatte der Bremer Senat an Meyer festgehalten und sich hinter ihn gestellt. Was dann zu Wochenbeginn wirklich den Ausschlag gab, von dieser Haltung abzurücken, war nicht klar auszumachen. Bürgermeister Klaus Wedemeier sprach im Fernsehen von einer größeren Kabinettsumbildung, für die Meyer dem Senat freie Hand geben wolle.

Der Innensenator, der dieses Amt erst 1987 übernommen hatte, war selbst zwei Jahre Polizist, bevor er ein Studium begann. Seine erste Reaktion nach dem Geiseldrama, ein Sofortprogramm zur Steigerung der polizeilichen Effizienz aufzulegen, war indirekt ein Eingeständnis von Mängeln bei der Bremer Polizei. H. B.