Trotz aller negativen Meldungen von der Küste – die Sommersaison in Deutschland verlief zufriedenstellend.

Aus der Sicht der Fremdenverkehrsbranche erfreulich "hart im Nehmen" sind die deutschen Inlandsurlauber. Wald- und Robbensterben, Algenteppiche und Salmonellen im Nordseewasser, so ergab eine vorläufige Sommersaisonbilanz des Hotel- und Gastgewerbes, sind für die weitaus meisten heimatverbundenen Touristen offenbar kein Grund, liebgewordene Reisegewohnheiten zu ändern.

Als "vorübergehende Gewitter, die das Gastgewerbe nicht dauerhaft berühren", erwiesen sich nach Meinung von Leo Imhoff, dem Präsidenten des Deutschen Hotel- und Gaststättengewerbes (Dehoga), all die aufsehenerregenden Umweltkatastrophen der vergangenen Monate. So konnten die deutschen Urlaubsregionen insgesamt die Sommersaison 1988 unter der Rubrik "erfreulich" abhaken.

"Bei idealem Wetter zufriedenstellend bis gut" verlief die Haupturlaubszeit nach den der Dehoga vorliegenden Zahlen in Bayern, wo im Durchschnitt leichte bis deutliche Zunahmen registriert wurden. Ähnlich positive Kunde ist von der Mosel, aus dem Harz sowie aus Hamburg und Berlin zu hören, Zeitweilige Übernachtungsrekorde im Juli und August meldeten gar die Hotelbetriebe im Bodenseeraum und im Schwarzwald. Das anhaltende Waldsterben hat offenbar keine abschreckende Wirkung mehr,

Besser als erwartet schnitten auch die in diesem Jahr von Umweltkatastrophen besonders gebeutelten Küstenurlaubsgebiete Niedersachsens und Schleswig-Holsteins sowie die Nordseeinseln ab. Die befürchteten Einbrüche in den Gästezahlen blieben dort aus. Zwar zählte das Fremdenverkehrsgewerbe an der Waterkant weniger Tagesgäste, Kurzurlauber und Nachbuchungen; die Stammgäste jedoch blieben der Region fast ausnahmslos treu, und es gab laut Dehoga-Bericht "so gut wie keine Stornierungen oder vorzeitigen Abreisen". Leichte Einbußen verzeichnete man lediglich in Ostfriesland, während an der Ostseeküste vereinzelt die Vorjahreszahlen übertroffen wurden.

Zwar sah es längst nicht überall so positiv aus; doch auch Gerd Kramer vom Fremdenverkehrsverband Schleswig-Holstein bestätigt, daß die Branche im nördlichsten Bundesland "unter wirtschaftlichen Aspekten mit der Saison sehr zufrieden" sein könne – "wir haben keine Einbrüche". Doch Kramerläßt sich von den Zahlen nicht blenden: "Wir haben die große Sorge, daß die Umweltbeeinträchtigung von Nord- und Ostsee auf Dauer zu einer existenziellen Gefährdung des Fremdenverkehrs führen kann. Deshalb sehen wir uns weiter an der Seite der Naturschützer und Umweltverbände im Kampf gegen den Schadstoffeintrag in Nord- und Ostsee."

Wolfgang Weber