Von Stephan Ruß-Mohl

Mit dem Medienspektakel, das amerikanische Präsidentschaftswahlen auslösen, wächst das Interesse der Deutschen am Innenleben der amerikanischen Nation. Jedenfalls kalkulieren so offenbar die Verlage, denn regelmäßig erscheinen vor der "heißen" Wahlkampfphase neue USA-Bücher, wie zum Beispiel jetzt

  • Jörg von Uthmann:

Volk ohne Eigenschaften Die Vereinigten Staaten und ihre Widersprüche; Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1988; 190 S., 26,– DM

  • Frank Unger (Hrsg.):

Amerikanische Mythen Zur inneren Verfassung der Vereinigten Staaten; Campus, Frankfurt 1988; 296 S., 38,– DM.

Jörg von Uthmann, der vor drei Jahren dem diplomatischen Dienst den Rücken kehrte, um als Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen nach New York zu gehen, lädt zu einer geistreichen und vergnüglichen Tour d’horizon ein, die mancherlei Klischeevorstellungen über die USA zurechtrückt: So hätten sich die Väter der amerikanischen Verfassung, als sie das berühmte Prinzip der checks and balances installierten, nicht von "uneigennützigen Idealen", sondern von durchaus egoistischen Motiven leiten lassen. Die ins Extrem getriebene Gewaltenteilung "sollte sicherstellen, daß das Eigentum der wohlhabenden Grundbesitzer und Geschäftsleute auch von einer Mehrheit der Bevölkerung nicht angetastet werden konnte".