Der nach dem Ungarnaufstand von 1956 hingerichtete Ministerpräsident Imre Nagy soll jetzt eine würdige Grabstätte erhalten. Nagy und eine unbekannte Zahl exekutierter Arbeiter und Studentenführer liegen bis heute in namenlosen Einzel- und Massengräbern an einer fast unzugänglichen Seite des Budapester Zentralfriedhofs. Wie verschämt die ungarische Regierung an dieses düstere Kapitel herangeht, machte das Frage- und Antwortspiel auf einer Budapester Pressekonferenz deutlich:

Magyar Nemzet (Ungarisches Radio): ZK-Sekretär Berecz erwähnte, daß die Regierung über die Beerdigung von Imre Nagy verhandelt ... Wann wird die Beerdigung sein?

György Marosán (Regierungssprecher): Was die Feststellung von Genosse Berecz... betrifft, möchte ich soviel anmerken: Der Justizminister führt Verhandlungen mit den Betroffenen. Wenn mehr Informationen zur Verfügung stehen – vermutlich in ein, zwei Monaten – werden wir Sie darüber sofort in Kenntnis setzen.

Magyar Nemzet: Unseres Wissens ist in der Vorlage des Justizministers schon enthalten, daß alle aufgrund eines Gerichtsurteils Exekutierten im Gegensatz zur bisherigen Praxis von ihren Angehörigen beerdigt werden können... das soll auch rückwirkend gelten...

György Marosán: Die Regierung hat letzte Woche den Bericht des Justizministers... zur Kenntnis genommen. Darin wird betont; daß unser Staat den Angehörigen der auf diese Weise hingeschiedenen Personen das Recht auf Pietät gewährt ... In letzter Zeit ist von Angehörigen der exekutierten Verurteilten immer häufiger die Bitte vorgetragen worden, daß sie selbst beerdigen können. Deshalb hat der Justizminister die einschlägigen Vorschriften modifiziert... Wenn eine verwandte Person nicht auffindbar ist, dann besorgt der Strafvollzug die Beisetzung. Die Leiche wird in diesem Falle auf einem öffentlichen Friedhof in einem mit Namen gekennzeichneten Grab beigesetzt ... Diese Verordnung gilt selbstverständlich... auch rückwirkend. M. Hu.