Von Georgij Arbatow

MOSKAU. – Die Unzufriedenheit über langsame Abrüstungsverhandlungen und die Art, wie sie geführt werden, ist weit verbreitet. Die Kritik richtet sich gegen die Ergebnislosigkeit vieler solcher Verhandlungen wie gegen die unverhältnismäßig lange Zeitdauer, die sie in Anspruch nehmen. Sie stützt sich auf die Erfahrung, daß sie allzuoft ihr Ziel, das Wettrüsten einzuhalten oder zu verlangsamen, mit weitem Abstand verfehlen und statt dessen Illusionen Vorschub leisten.

Der traditionelle Ansatz für Abrüstungsverhandlungen ist offenkundig unzureichend, zumal wenn man die schwierigen Probleme betrachtet, die heute bewältigt werden müssen. Dieser Ansatz ist geprägt von der Art, wie Geschäftsleute verhandeln. Er geht davon aus, daß beide Seiten jeweils zu Beginn ihre höchsten Forderungen stellen; im Verlauf werden die Forderungen dann abgemildert, und schließlich finden beide Seiten zu einem für sie akzeptablen Kompromiß.

Aber inzwischen häufen sich die Zweifel, ob dieser Ansatz heute noch für die Praxis brauchbar ist. Die Erfahrungen mit Abrüstung und Rüstungskontrolle in den achtziger Jahren verstärkten diese Zweifel.

Zum einen sind harte und langwierige Verhandlungen ein wesentliches Charakteristikum dieses vertrauten Ansatzes. Fortschritte im Abrüstungsbereich können daher nur im Schneckentempo erfolgen, während Militärtechnik und -forschung unaufhaltbar vorauseilen. Anstatt die Probleme von heute oder morgen anzupacken, verurteilt der bisherige Ansatz die Unterhändler dazu, mit den Problemen von gestern fertig zu werden.

Zum andern geht es bei Rüstungskontrolle und Abrüstung eben um andere Güter als Textilien, Weizen oder Maschinen, nämlich um nationale Sicherheit und zentrale Staatsinteressen. Jede Seite versucht infolgedessen der anderen nachzuweisen, daß die eigene Ausgangsposition nicht nur abgewogen, sondern zugleich auch für die eigenen Sicherheitsinteressen absolut unerläßlich ist. Das heißt aber auch, daß es dann politisch jeder Seite außerordentlich schwerfällt, ihre ursprüngliche Ausgangsposition im Verlauf der Verhandlungen zu modifizieren.

Drittens, weil die Themen so komplex und schwierig geworden sind, wird die Verhandlungsstruktur unweigerlich verbürokratisiert. Jeder Verhandlungstisch wird zu einer eigenen, unabhängigen Abteilung, deren Wurzeln und Kontakte tief in die bürokratischen Strukturen anderer Abteilungen hineinreichen. So entfernt sich das ganze Unternehmen rasch von den ursprünglich formulierten Verhandlungszielen und führt ein Eigenleben – mit allen Auswüchsen des Parkinson’schen Gesetzes.