Von Heinz Michaels

Die Lufthansa", wich ihr Chef Heinz Ruhnau im vergangenen Jahr ins Allgemeine aus, als die Diskussion um den Luftverkehr nach Berlin hohe Wellen schlug, "muß sich immer darum kümmern, wenn es um den Berlin-Verkehr geht."

Kanzleramtsminister Wolfgang Schäuble war da konkreter. Er hoffe, sagte er vor knapp einem Jahr, daß die Lufthansa "bald" die Möglichkeit erhalte, Berlin anzufliegen. Bei ihrem Treffen hätten Bundeskanzler Kohl und SED-Generalsekretär Honecker über die Einbeziehung "von Berlin, von Tegel, in den Flugverkehr gesprochen".

Seit Montag dieser Woche ist die Deutsche Lufthansa im Berlin-Verkehr dabei – wenn auch nur als Kopilot in britischen Flugzeugen einer französischen Fluggesellschaft: Euroberlin France. Die Gesellschaft wurde im September dieses Jahres in Paris gegründet; sie gehört zu 51 Prozent der Air France und zu 49 Prozent der Lufthansa.

Von der Lufthansa wurde die Sache mit ungewöhnlicher Diskretion und Zurückhaltung behandelt, denn angesichts der sensiblen Situation im Berlin-Verkehr, der widerstreitenden Interessen und der tatsächlichen oder gespielten Aufgeregtheiten war diese Beteiligung natürlich ein hochpolitischer Schritt, keineswegs etwa zu vergleichen mit dem Einkauf in eine spanische Chartergesellschaft.

Als der Starttermin näher rückte, meldeten die Sowjets denn auch prompt "Bedenken" gegen die Zulassung von Euroberlin an. Da es sich um eine französische Gesellschaft handelt, können die Sowjets wohl kaum Protest einlegen, denn Frankreich hat das Recht, Berlin anzufliegen.

Die ganze Diskussion hat der amerikanische Präsident Ronald Reagan ausgelöst. Als er am 12. Juni vergangenen Jahres seine Berlin-Initiative lancierte, meinte er, Berlin könne "eines der wichtigsten Zentren der Luftfahrt im gesamten Mitteleuropa werden". Das Schlagwort vom "Luftkreuz Europas" war geboren.