Von H. COURTHS-MAHLER

Zehnte Folge (Schluß)

Käthe hatte ihr neues Amt angetreten. Sie schaffte mit glühendem Eifer. Für Helmut war es eine wunderliche Zeit. Er wußte, ihr Herz war frei, und diese Gewißheit erfüllte ihn mit froher Hoffnung für die Zukunft. Während der Redaktionsstunden verkehrten sie nur sachlich und geschäftlich miteinander, wenn auch zuweilen ein warmer, vertraulicher Ton mit unterlief. Und Käthe lernte Helmuts energische, zielbewußte Persönlichkeit erst hier in diesem Rahmen würdigen und verstehen. Mit imponierender Sicherheit stand er an der Spitze des großen Betriebes. Nach Redaktionsschluß gingen sie fast jeden Tag miteinander aus.

So waren einige Wochen vergangen. Von Wigand hörte Käthe gar nichts. Da ließ sich eines Tages Adi Kertner anmelden während der Sprechstunde. Käthe sah erfreut auf. "Sie, lieber Freund, wie freue ich mich Sie wiederzusehen!" Er küßte ihr die Hand. Käthe stellte die Herren vor. "Ich suchte Sie in Ihrer Wohnung auf, gnädige Frau, und hörte dort, daß ich Sie hier finden würde." Sie lud ihn ein Platz zu nehmen. "Ja, ich habe hier meinen Wirkungskreis." – "Und wie es scheint, einen befriedigenden. Mich führt neben dem Wunsch Sie wiederzusehen, ein Auftrag zu Ihnen. Wenn ich damit Bitteres und Trübes in Ihnen wecke, so lassen Sie mich’s nicht entgelten."

"Ich weiß es, lieber Herr Kenner, und ich errate was Sie mir mitbringen. Es handelt sich wohl um – um meine Scheidung?" "Ja, so ist es. Wigand hat mich gebeten, Sie aufzusuchen." Käthe fuhr sich mit der Hand über die Stirn. "Sagen sie ihm, daß ich ihm kein Hindernis in den Weg legen will." Kertner sah auf seine Hände herab, ein unbehaglicher Zug lag um seinen Mund. "Mit der Einwilligung zur Scheidung ist es nicht allein getan. Eine Ehe ist leichter geschaffen als getrennt? Die Scheidungsklage müßte von Ihnen ausgehen. Er ist bereit alle Schuld auf sich zu nehmen – nur läßt er Sie bitten, die Hellmann zu schonen. Würde diese mit ihm angeklagt, wäre eine Verbindung zwischen ihm und ihr erschwert, vielleicht unmöglich gemacht. Wenn Sie vielleicht Herrn Doktor Bodeck Vollmacht in der Angelegenheit gäben – zwischen uns zwei Männern ließe sich das alles leichter besprechen." Käthe blickte mit bangen Augen in Helmuts Gesicht: "Du weißt, daß du über mich verfügen kannst."

Ungefähr zwei Wochen nach dieser Szene trat Helmut eines Morgens in Käthes Arbeitszimmer und trug seinen Faktot über dem Arm. "Käthe, mir ist ein Malheur passiert. Bitte, nahe mir doch den Knopf an meinem Überrock fest." Sie machte sich sofort an die Arbeit. "Es ist ein Jammer um einen Junggesellen, ich muß doch wohl daran denken, mir eine Frau zu suchen," sagte er scheinbar sehr ernsthaft. Sie erschrak und stach sich mit der Nadel in den Finger. Das Herz tat ihr plötzlich so weh, und in ihre Augen stiegen Tränen. Sei nähte aber emsig weiter. Da fiel eine Träne herab, gerade auf den losen Knopf traf sie auf. Er sah es und nahm plötzlich mit festem Griff ihre Hand in die seine.