Die Teilnehmer legen ihr Geld vornehmlich im Ausland an

Von Reinhold Rombach

Börsianer sind geborene Relativisten: Nichts ist eindeutig gut, nichts absolut schlecht. "Eigentlich spricht vieles für eine optimistische Betrachtung der Zukunft", lautet eine in diesen Tagen beliebte Redewendung in Börsenbriefen und Anlegerinformationen der Banken, doch dann folgt unweigerlich der Nachsatz, "aber es gibt auch potentielle Gefahren". Haben Börsianer wegen prächtig gestiegener Kurse allen Grund zur Freude, wächst schon die Angst vor dem nächsten Kurseinbruch. Eigentlich sind sie bedauernswerte Geschöpfe, die mehr als normale Menschen Lob, Zuspruch oder auch Worte des Trostes brauchen, um ihr seelisches Gleichgewicht halten zu können.

So macht es denn Sinn, in diesen unsicheren Zeiten die erfreulichen Zahlen der drei Teilnehmer am ZEIT-Börsenspiel zu schildern und zu kommentieren. Gewinne zwischen zwölf und 45 Prozent seit Jahresanfang können sich nämlich durchaus sehen lassen.

Ein feines Gespür für unterbewertete Aktien oder zunächst vernachlässigte Branchen bewies Hubert Günter von der Bank in Liechtenstein (BIL). Der Zuwachs seines Startkapitals von 100 000 Mark um 45 Prozent belegt dies nachdrücklich. Wie es scheint, hat der Frankfurter Anlageexperte auch beim Erwerb der beiden amerikanischen Rohstoffaktien Amax (Kaufkurs 40,73) und Phelps Dodge (Kaufkurs 81,23 Mark) richtig gehandelt. Ein unerwartet starker Investitionsboom in den Industrieländern und hohe Wachstumsschübe in den Staaten des pazifischen Raumes ließen die Notierungen für manche Basisprodukte, darunter besonders Kupfer, drastisch ansteigen. Folgerichtig verdoppelten sich im dritten Quartal bei Amax die Betriebsgewinne auf knapp 200 Millionen Dollar gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Auch der Kupferproduzent Phelps Dodge meldet ähnlich gute Ergebnisse. Pro Aktie wurden in den ersten neun Monaten dieses Jahres bereits 7,50 Dollar verdient, und für das Gesamtjahr belaufen sich die Schätzungen auf knapp über zehn Dollar. Mit einem Kurs-/Gewinnverhältnis (KGV) unter fünf zählt dieser Wert zu einem der preiswertesten amerikanischen Titel. Wenn sich die Aufwärtsbewegung bei den Rohstoffpreisen fortsetzt, und davon ist Günter aufgrund einer auch weiterhin weltweit prosperierenden Investitionsgüterkonjunktur überzeugt, dann sollten diese beiden Werte seiner Meinung nach noch einiges Kurspotential aufweisen.

Der dritte Wert im BIL-Depot, die spanische Papieraktie Sarrio, wird von manchen Fachleuten zum Verkauf empfohlen. Beim iberischen Maiktführer für Tissue-Papiere seien, so heißt es, keine nachhaltigen Kursverbesserungen zu erwarten. Die Gewinne des Unternehmens würden bestenfalls stagnieren, und im übrigen sei Sarrio zu klein, um dem wachsenden Wettbewerbsdruck standhalten zu können. Günter sieht das ganz anders. Seiner Meinung nach sind die genannten Belastungen allenfalls kurzfristiger Natur, und ein kapitalkräftiger Partner, der Sarrio unter seine Fittiche nehmen könnte, sei bereits in Sicht. Man darf gespannt sein, wessen Meinung sich durchsetzen wird und ob sich die zu umgerechnet 29,46 Mark je Stück gekauften Aktien für die BIL bezahlt machen. Für Günters Engagement spricht, daß sich die deutsche Feldmühle dieser Tage mit zehn Prozent bei Sarrio eingekauft haben soll.

Auch in diesem Monat konnte die Düsseldorfer Simonbank den größten Gewinn unter den Mitspielern erwirtschaften. Das von Tim Schmiel verwaltete Vermögen liegt jetzt bei annähernd 133 000 Mark. Bereits in der zweiten Oktoberwoche verkaufte Schmiel die Aktien der Colonia Versicherung zum Stückpreis von 528,79 Mark; er gewann dadurch 12,51 Prozent oder knapp 6000 Mark und erwarb für den Gegenwert von 51 701 Mark Titel der amerikanischen Bank Manufacturers Hanover Trust. Die Aktien dieses Geldinstitutes sind, bezogen auf den Kaufkurs von 27 Dollar (umgerechnet 49,98 Mark), mit einem KGV von knapp unter vier außerordentlich billig, und auch die sehr hohe Dividendenrendite von 11,6 Prozent ist ausgesprochen attraktiv. Hinzu kommt, daß Argentinien die Zinszahlungen auf seine Verbindlichkeiten wieder aufgenommen hat und daher Manufacturers Hanover Trust im vierten Quartal dieses Jahres eine außerordentliche Zahlung von 150 Millionen Dollar erwarten darf.