Es ist ein kunterbuntes Kaleidoskop, grün wie die Weinberge, gelb wie die Kürbisse und der Mais, rostrot wie die Ziegeldächer

"Graz und die Steiermark"; Christine Metzger; DuMont Richtig Reisen, Köln 1987; 36 Mark.

Ein bißchen holterdiepolter geht es zu in dem Buch, das aus seiner Zuneigung zur Region keinen Hehl macht. Schon im historischen Überblick preschen plötzlich die Lippizaner zwischen Bauernaufstand und Protestantenvertreibung. Genauso kreuz und quer geht es weiter. Aber man liest sie gern, die salopp geschriebenen Geschichten über den Erzherzog Johann, den "steirischen Prinzen", der seinem Land den Weg in die Zukunft wies, oder über Franz Gsellmann mit seiner scheinbar sinnlosen "Weltmaschin". Von den Problemen, heutzutage ein Schloß zu unterhalten, kommen wir zu den schillernden Faschings-"Flinserln" im Ausseer Land. Dazwischen werden Heidensterz, Breinwurst und Verhackert serviert und ein kräftiger Schluck Wein kredenzt – der Schilcher, der nur in der Steiermark wächst, ist der exklusivste. Dazu noch ein paar Kuriositäten vom Riesen Samson bis zum Öl, das aus dem Kürbis kommt.

Das Kapitel über Graz schärft die Sinne für den Reiz der Provinz und läßt den südlichen Charme der Pensionistenstadt mit den vielen jungen Leuten lebendig werden.

Ein kleiner Streifzug führt durch die Burgen des Landes, ein zweiter durch Klöster und Kirchen. Ein bißchen mehr hätte man da an mancher Stelle gern erfahren, aber die Autorin zieht sich geschickt aus der Schlinge und überläßt es dem Besucher selbst, die Kunstwerke in den Kirchen der Steiermark zu entdecken. Das gleiche gilt wohl auch für die Orte, in denen sie stehen. Aber soll man Vollständigkeit erwarten – auch der Hinweis auf den Wintersport etwa fehlt – in einem Buch, das nie belehrend-langweilig, nie sachlich-fade, sondern immer interessant und amüsant ist, ein kunterbuntes Kaleidoskop eben?

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