Die Franzosen nennen ihn fils à papa, bei uns heißt er Muttersöhnchen: Jener Erbe, der zu wohlbehütet aufwächst und danach alles falsch macht. Im Schatten von Papa oder Mama mag er sich noch so recken, er bleibt ein Zwerg, wird immer um den letzten Erfolg gebracht.

Der Herausforderer. Junior bekam Gewissensbisse: Er wurde der Geister nicht mehr Herr, die er mit seinem Computer ins größte amerikanische Datenverbundnetz Arpanet eingeschleust hatte. Sein Geisterprogramm, nur 99 Zeilen lang, ließ in Eliteuniversitäten wie Harvard oder Stanford, aber auch in Sicherheitszonen wie etwa beim Atomwaffen-Hersteller Livermore die Großrechner zusammenbrechen. Ihnen war der Befehl erteilt worden, ihre eigenen Programme so oft wie möglich zu kopieren – bis zur Erschöpfung der Speicher. Danach ging der Befehl via Arpanet weiter zum nächsten Rechner. Binnen 24 Stunden legten jene 99 Zeilen 6000 amerikanische Rechenanlagen lahm.

Junior bekam es mit der Angst zu tun und rannte hilfesuchend zu Senior. Robert Morris sen. aber ist nicht nur der Vater von Robert Morris jr., sondern auch Chefinformatiker beim National Computer Security Center, einer der bekanntesten Sicherheitsexperten seines Landes und von Berufs wegen mit der Abwehr von Hackern betraut. Dieser Hacker aber kam aus der eigenen Wohnstube. Wem galt sein harmlos gemeinter Angriff auf panet? Nur den Lücken im Sicherheitssystem – oder den Schwächen des eigenen Vaters?

Der Nachahmer. Gamal heißt der Held, Chalid der Schuft, Ort der Handlung ist Kairo. In der ägyptischen Hauptstadt verhandelt seit letzter Woche ein Gericht gegen den Sohn des einstigen ägyptischen Staatschefs Gamal Abdel Nasser. Auf der Anklagebank allerdings blieb sein Platz neben den anderen Verschwörern der Gruppe Thaurat Misr (Revolutionäres Ägypten) leer. Ehe überhaupt Anklage erhoben wurde, konnte sich der 38jährige Chalid Nasser ins Ausland absetzen.

Nasser junior träumt davon, das Rad der Geschichte ein wenig zurückzudrehen, es wieder in jene historische Position zu bringen, die einst den Aufstieg des Vaters begünstigte. Abbruch der Beziehungen zu Israel und den Vereinigten Staaten, Annäherung an Moskau sind die politischen Ziele von Thaurat Misr: Waffengeschäfte, Drogenhandel und Morde an israelischen und amerikanischen Diplomaten waren der Anklage zufolge ihre grausamen Methoden. Ein Verräter aus den eigenen Reihen ließ die Verschwörer um Nasser junior auffliegen. Der Sohn wollte werden, was sein Vater einst gewesen war. Vergeblich: Gamal bleibt ein Held, Chalid nur ein Schuft.

Der Nichtsnutz. Jurij Breschnjew hatte in seinen 55 Jahren zweimal großes Glück: Das erste Mal, als sein Vater Leonid 1964 zum mächtigsten Mann der Sowjetunion aufstieg; und das zweite Mal, als ihn Papas Nachfolger 1986 als ersten Vize-Außenhandelsminister der UdSSR "aus Gesundheitsgründen" im rüstigen Alter von 53 Jahren zwangspensionierte.

Jurijs Schwager Jurij Tschurbanow erging es schlechter: Sein Sturz als Erster Vize-Innenminister landete vor dem Militärtribunal, vor dem er sich derzeit wegen schwerer Korruption verantworten muß. Breschnjew junior blieb der Prozeß erspart. Seine bescheidene Staatsrente mag der Trunksucht, die Breschnjew junior in Moskau nachgesagt wird, zwar manche Flasche entziehen; und seine neue, winzige Wohnung dürfte für den gewohnten Stil dieses Lebemanns kaum den passenden Rahmen bieten. Doch lieber in Pension als im Prozeßsaal, lieber ausgebootet als eingelocht. Dieser Sohn wollte, anders als Bobby Morris oder Chalid Nasser, aus eigenem Antrieb nichts werden, aber alles haben.

Joachim Fritz-Vannahme