ZEIT: Mit der Beteiligung von Daimler-Benz an MBB zeichnet sich die größte Fusion in der bundesdeutschen Geschichte ab. Macht es Ihnen etwas aus, mit der AEG nur noch ein kleines Rädchen im Daimler-Benz-Konzern zu sein?

Dürr: Wenn es so wäre, wie Sie unterstellen, würde es mir sicherlich etwas ausmachen. Aber es ist nicht so. Erstens ist MBB mit 6,27 Milliarden Mark Umsatz gegenüber 13 Milliarden Mark der AEG und 38 500 Beschäftigten gegenüber 89 000 weniger als halb so groß. Und zweitens, und das ist das Entscheidende, werden hier keine Unternehmen "geschluckt" und ihrer Identität beraubt. Wir arbeiten vielmehr alle unter dem Dach der Daimler-Benz AG zusammen, und zwar als integrierter Technologiekonzern. Die AEG wird im Wettbewerb mit anderen Anbietern natürlich auch in Zukunft Mercedes-Benz beliefern. Wir werden im übrigen weiterhin auf vielen anderen Feldern, die nicht unmittelbar mit dem "System Auto" zu tun haben, Spitzenprodukte anbieten.

ZEIT: Ist der Zusammenschluß denn gesamtgesellschaftlich zu verantworten? Wird Daimler-Benz nicht zusehends zum Staat im Staate?

Dürr: Zunächst einmal: Niemand im Hause Daimler-Benz würde sich eine solche Rolle anmaßen wollen, wie sie im zweiten Teil Ihrer Frage anklingt. Für uns gilt, daß die demokratischen Spielregeln unantastbar und die Verantwortlichkeiten glasklar geregelt bleiben müssen. Was den gesamtgesellschaftlichen Nutzen angeht, müssen wir wissen, daß die Luft- und Raumfahrt heute Schnitt- und Brennpunkt aller hochtechnologischen Entwicklungen ist. Da müssen wir als Bundesrepublik entscheiden, ob wir dabeisein wollen. Ich kann nur dringend dazu raten.

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Im übrigen stütze ich mich auf das Jahresgutachten 87/88 des Sachverständigenrates, der über die Folgen eines deutschen Ausstiegs aus dem Airbus schreibt: "Angesammeltes technisches Wissen würde entwertet. Schaden würde auch die europäische Kooperation nehmen, denn das Airbus-Programm ist als ein Gemeinschaftsprojekt angelegt. Es kann jetzt nur darum gehen, dem Staat einen allmählichen Rückzug aus dem Airbus-Programm zu ermöglichen. Die Bemühungen der Bundesregierung, die Industrie stärker an dem Airbus zu beteiligen, gehen in die richtige Richtung." Daimler-Benz wird also letztlich eine industriepolitische Entscheidung mittragen.

ZEIT: Herr Dürr, Sie haben schon früher dafür plädiert, die Bundesrepublik für den internationalen Wettbewerb "wetterfest" zu machen. Die Wirtschaft läuft doch zur Zeit hervorragend. Was macht Sie denn so pessimistisch?