Dürr: Der Begriff war von Ludwig Erhard sicher nicht besonders gut gewählt. Aber vom Ansatz her hat er damals schon richtig erkannt, daß man nicht alles der unsichtbaren Hand des Marktes überlassen kann, weil die ja auch den falschen Hebel bedienen kann.

Ein erster Schritt, um zu so einem Konsens zu kommen, wäre etwa ein technologiepolitischer Sachverständigenrat, wie ihn Rudolf Scheid (der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Elektrotechnik und Elektronikindustrie, ZVEI) vorgeschlagen hat. Ein derartiges Gremium müßte erst einmal allgemeinverständlich und allgemeinverbindlich und in der Fortschreibung über Jahre festlegen: Was ist konkret auf diesem oder jenem Sektor los, wo liegen die Trends, und um was müssen wir uns kümmern? Als zweiten Schritt müßte die Bundesregierung eine Initiative ergreifen und die Gruppen, die ich genannt habe, an einen Tisch bekommen. Dort müßte ein Dialog darüber beginnen, was wir in unserer Gesellschaft auf den wichtigsten Zukunftsgebieten machen wollen. Auch die Branchen, die wir nicht als Zukunftsgebiete betrachten – wie etwa die Landwirtschaft. Oder die Werftindustrie, die ich persönlich als Zukunftsindustrie ansehe ...

ZEIT: ... das ist überraschend ...

Dürr: ... weil auch in Zukunft ein Großteil der Güter über die Weltmeere transportiert wird. Man darf nicht nur an den Stahl denken, den die Werftindustrie verarbeitet. Inzwischen sind in manchen Fällen über fünfzig Prozent eines Schiffes Elektronik. Es geht um das "System Schiff". Da muß die Bundesrepublik mit dabeisein.

ZEIT: Auch wenn das Milliarden kostet?

Dürr: Das wäre unter Umständen gar nicht nötig. Zur Zeit geben wir über eine Milliarde Mark für die Werftindustrie aus; aber dieser Betrag wird gleichmäßig auf alle Werften verteilt – ein typisches Beispiel für die Zersplitterung der Kräfte. Warum kann man diese Werfthilfe nicht mit einer Auflage versehen, in dem Sinne, daß sich die Industrie zusammentun muß und festlegen, welche Werft künftig was macht. Jeder weiß, daß die Werftkapazitäten zu groß sind und zu viel nebeneinander herläuft.

ZEIT: Warum sollte man die Neuordnung der Werftindustrie nicht dem Markt überlassen?