Morddrohungen

Wäre es nicht so ernst, könnte es als schlechter Scherz gelten: Ausgerechnet als nationalistische Exilorganisation mit dem alten Draker-Emblem des heulenden Wolfes tarnte sich der rumänische Geheimdienst, um Gegner der Ceausescu-Diktatur in der Emigration aufzuspüren und zu bedrohen. "Du hast veröffentlicht und Brot gegessen in dem Land, das du heute beschmutzt", schrieb die "Radikale Patriotische Organisation des rumänischen Exils – Söhne des Avram Jancu" an den rumäniendeutschen Schriftsteller Helmuth Frauendorfer, der jetzt in West-Berlin lebt. "SCHANDE DIR! Und wenn Du nicht im Guten verstehen willst, werden wir Dich umbringen, wenn Du es am wenigsten erwartest!" Morddrohungen erhielten auch die Schriftsteller Richard Wagner, Herta Müller und William Totok. Gemeinsam mit Günter Grass, Lew Kopelew, Pavel Kohout, György Konrad und anderen Kollegen haben sie zu Solidaritätsaktionen am 15. November aufgerufen: Gegen den wahnwitzigen Plan Ceausescus, 8000 Dörfer schlafen zu lassen, gegen die politische Unterdrückung in Rumänien und den staatlich verordneten Gebärzwang. Doch Geheimdienste können Solidarität weder im Westen noch im Osten verhindern: An diesem ersten Jahrestag des Aufstands Kronstädter Arbeiter soll zwischen Budapest und New York, Breslau und Toronto demonstriert werden.

Teurer Raub

Die "Vereinigung zur Förderung der Deutschen Software-Industrie" macht eine einfache Rechnung auf: Im vorigen Jahr wurden rund 570 000 professionelle Personal Computer (PC) verkauft. Erfahrungsgemäß gehören zu jedem PC zwei bis drei Software-Pakete – also Programme auf Disketten. Doch nur 340 000 solcher Programm-Pakete wurden abgesetzt – macht einen Fehlbestand von rund 230 000 Paketen. Das heißt: 500 Millionen Mark Umsatz weniger, 2000 Arbeitsplätze gefährdet oder verloren – und der Finanzminister hat 70 Millionen Mark entgangener Mehrwertsteuern zu beklagen. Doch gegen das Raubkopieren scheint kein Kraut gewachsen, erst recht kein Kopierschutz, der nicht bald geknackt wird. Allenfalls eingeschleppte Viren scheinen – temporär – die Kopieraktivität zu bremsen.

Richter ohne Henker

Im südafrikanischen Homeland Transkei wurde ein Mann arbeitslos, und alle sind froh darüber: Seit kurzem ist der Posten des Henkers unbesetzt. In den Todeszellen warten 62 Verurteilte auf ihre Hinrichtung und hegen nun neue Hoffnung. Denn Scharfrichter will in Südafrikas Bantustan niemand werden: Selbst der Justizminister hat keine Ahnung, wann er diese Stelle neu besetzen kann. Die meisten der Verurteilten sind nach Angaben der Anwaltsvereinigung der Transkei Analphabeten. Ihnen blieb in unfairen Prozessen, beraten von unerfahrenen Rechtsbeiständen, kaum eine Chance, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen.