Der Film betreibt ungeniert Werbung, denn er will etwas verkaufen: einen Mann und seinen Traum. Dafür nimmt er das gute alte amerikanische Filmrezept her: action is character. Wobei man action nicht im heute üblichen Sinne begreifen darf, sondern mehr als Motor, als Antriebskraft. Aber auch so betrachtet veranstaltet der Film eine Menge Wirbel. So wie die Wochenschauberichte nach dem Krieg, in denen Bilder aus aller Welt und Zeitungsschlagzeilen durcheinanderwirbelten, gut gelaunt, optimistisch und in einem Tempo, das diesen Tonfall bekräftigte.

Nach dem Krieg, als das Kino seine Unschuld verloren hatte und neurotisch geworden war, ging auch die große Zeit von Preston Sturges und Frank Capra zu Ende. Der losgelassene Erfindungsgeist des einen und der soziale Idealismus des anderen zogen nicht mehr richtig. Als wär’s ein Stück von ihnen, verbindet die Biographie und Figur von Preston Tucker beide Züge in sich. Aber um damit wirklich erfolgreich sein zu können, war er zu spät geboren. Coppola interessiert sich indes nicht für die Maschinerie des Niedergangs, sondern für die Ideen, die dahinterstecken.

Preston Tucker entwarf ein Auto, das seiner Zeit in Form und Inhalt voraus war, und ging mit dem Geld, das die späteren Käufer vorgestreckt hatten, in Produktion. Tuckers "Torpedo" war schneller, geräumiger, sicherer und billiger als die Wagen der großen Drei aus Detroit, Ford, Chrysler und General Motors. Das war sein Pech: Er war zu gut. Über politische Kanäle wurde Tucker noch vor der Verwirklichung seines Traums zu Fall gebracht. Juristen, Senatoren und Bürokraten trieben ihn unter fadenscheinigen Anklagen vor Gericht.

Preston Tucker gewann zwar den Prozeß, verlor aber seine Firma. Er war bankrott, hatte jedoch fünfzig Modelle fertigstellen können, deren Neuerungen – Heckmotor, Scheibenbremsen, Sicherheitsgurte und splitterfreie Windschutzscheiben – Detroit später einfach übernahm. Sechsundvierzig existieren noch heute, Francis Coppola und George Lucas besitzen jeweils zwei. Die Sache ist ihnen also eine Herzensangelegenheit.

Auch Coppolas Vater hatte sich einst einen Tucker bestellt, und der junge Francis war tief enttäuscht, als er erfuhr, daß das Auto nie fertigwerden würde. Nicht die Mechanik oder Hydraulik habe ihn damals begeistert, sagt Coppola, sondern die raketenartige Stromlinienform. Das gilt unterschiedlos für seinen Film. Ihm fehlt der Sinn für das Mechanische, was er ausgleicht durch seinen Sinn fürs Formale. Am Ende sagt Preston Tucker im Film: "Wen kümmert’s, ob es 50 oder 50 Millionen Autos geworden sind. Das ist alles nur noch eine Frage der Maschinerie. Was allein zählt, ist die Idee."

Über die Form dieser Idee hat sich Coppola schon lange Gedanken gemacht. Einst bat er Frank Capra, in dessen Stil er die Geschichte erzählen wollte, um seine Meinung. Der sagte: "Sie können keinen Capra-Film über einen Kerl machen, der unterliegt. Wollen Sie denn etwa sagen, daß der amerikanische Traum nichts taugt?" Coppola verwarf das Projekt, nahm es später wieder auf, wollte es erst als Citizen Kane-Geschichte, dann im Kabuki-Stil verfilmen. Jetzt hat er doch einen Capra-Film daraus gemacht, in dem die Solidarität der kleinen Leute etwas zählt, der Glaube Berge versetzt und der Erfolg eine Frage der Perspektive ist. Der Produzent George Lucas meint, noch vor zwanzig Jahren hätten sie daraus einen "wütenden Film" gemacht.

An einer Stelle sagt Abe, Tuckers Partner und Mann in Geldsachen, seine Mutter habe ihn immer davor gewarnt, den Leuten nicht zu nahe zu kommen, sonst fange er sich ihre Träume ein. Coppola hat auf seine Mutter offenbar nicht gehört, denn er infiziert sich immer hoffnungslos mit den Träumen seiner Helden. Vielleicht ist das auch der Grund, warum seine Filme an manchen Stellen seltsam distanziert daherkommen. Weil er seine Figuren zu genau kennt, um sie noch ökonomisch an den Mann bringen zu können. Er macht das allerdings wett durch einen phänomenalen Sinn fürs Atmosphärische, durch penible Schilderung der Umstände, durch gewaltige Einbildungskraft.