Von Henning Engeln

Das Auftauchen des Aids-Erregers hat massive Ängste in der Bevölkerung ausgelöst – zum Teil berechtigte, aber auch übertriebene und irrationale. Kein Wunder also, daß manche Unternehmen diese Ängste nutzen, um ihre Geschäfte anzukurbeln. Mit dem Slogan "Ihr eigenes Blut ist das sicherste Blut" und unter Hinweis auf das Risiko, sich durch eine Blutübertragung mit Aids oder Hepatitis zu infizieren, wirbt die Düsseldorfer "Bank für Eigenblut GmbH" für ihre Dienstleistungen: Gegen eine – nicht unbeträchtliche – Gebühr kann sich dort jeder Blut abzapfen und tiefgefroren deponieren lassen. Im Falle einer Operation oder bei Blutverlust durch Verletzungen, beispielsweise nach einem Verkehrsunfall, steht dann die Konserve mit Eigenblut bereit.

Im Prinzip ist das eine gute Sache, denn – und darin sind sich die Mediziner einig – das eigene Blut ist für eine Blutübertragung optimal: es besteht minimale Infektionsgefahr, Unverträglichkeitsreaktionen und Sensibilisierungen sind ausgeschlossen, eine Schwächung des Immunsystems (Immunsuppression) – die bei Krebspatienten nach Operationen zu einer erhöhten Rückfallquote geführt haben soll – kann nicht auftreten. Schließlich gilt das Blut als "flüssiges Organ", und in mancher Hinsicht läßt sich eine Transfusion (fast) mit einer Organtransplantation vergleichen.

Doch was sich im Prinzip gut anhört, muß in der Praxis noch lange nicht der Weisheit letzter Schluß sein. Nach Unfällen stellt sich vor allem die Frage, ob das eigene Blut schnell genug an Ort und Stelle ist. Denn zunächst muß das tiefgefrorene Blut, das vor dem Einfrieren in Plasma (die gelbliche Blutflüssigkeit) und Blutkörperchen getrennt und mit einem "Frostschutzmittel" versehen wurde, aufgetaut und aufbereitet werden. "Innerhalb einer Stunde sind die Konserven transfusionsfertig", versichert Daniel Katz, Geschäftsführer der Düsseldorfer Eigenblutbank, und betont, daß auch bei der Übertragung von Fremdblut erfahrungsgemäß 90 bis 120 Minuten vergingen, bis die Transfusion beginne. In vielen Notfällen dürfte es jedoch länger dauern, bis das eigene Blut aufbereitet und aus Düsseldorf zum Patienten transportiert ist; auch die Betreiber der Blutbank räumen ein, daß tiefgefrorenes Eigenblut "bei Unfällen mit sofortigem Transfusionsbedarf nur ausnahmsweise" eine praktikable Möglichkeit darstellt.

Ist hingegen keine sofortige Transfusion nach einer Verletzung nötig und wird erst später operiert, könnte das eigene Blut rechtzeitig herangeschafft werden. Allerdings wird das Gros der Blutkonserven nicht nach Unfällen verbraucht, sondern bei länger geplanten Operationen. Das betrifft vor allem Eingriffe am offenen Herzen, an Lunge, Magen, Galle, im orthopädischen sowie geburtshilflich-gynäkologischen Bereich und bestimmte plastische und kieferchirurgische Operationen. Hier gibt es die – wesentlich kostengünstigere – Möglichkeit, Eigenblut vor dem Eingriff abzuzapfen und bei plus vier Grad Celsius flüssig aufzubewahren. Das eigene Blut ist, genau wie jede Fremdblutkonserve, etwa 35 Tage lang im Kühlschrank haltbar.

Immer mehr Krankenhäuser bieten deshalb an, vor einer geplanten Operation bis zu fünf Mal eigenes Blut zu entnehmen, das dann für die Operation, zur Verfügung steht. Die Betreiber der Eigenblutbank argumentieren, daß das im Kühlschrank aufbewahrte Blut innerhalb der Lagerzeit einen gewissen Qualitätsverlust erleidet (so leben nur noch rund 70 Prozent der roten Blutkörperchen, die für die Immunabwehr zuständigen weißen Blutkörperchen sind nach wenigen Tagen abgestorben, während sich Krankheitskeime wie kälte-resistente Bakterien in seltenen Fällen auch bei vier Grad noch vermehren). Ferner könne der ganze Aufwand umsonst gewesen sein, falls der Operationstermin verschoben wird – beispielsweise weil der Patient eine Grippe bekommt. Diesen Nachteilen steht der erheblich höhere Kostenaufwand der Tiefkühlkonservierung gegenüber; in Düsseldorf werden rund 550 Mark für die erste und 340 Mark für jede weitere Blutkonserve verlangt.

Wer sein Blut längerfristig bei der Bank für Eigenblut deponieren will, muß im ersten Jahr monatlich 16,60, in den folgenden Jahren 9,80 Mark pro 450 ml-Konserve auf den Tisch blättern. Gebühren in ähnlichen Größenordnungen verlangt auch die zweite private Eigenblutbank, das "Cryo-Eigenblutdepot" in München. Empfohlen wird, zwei bis vier Konserven einfrieren zu lassen. Da sind dann schnell weit über tausend Mark fällig. Hinzu kommen im Bedarfsfall bei der einen Blutbank die Transportkosten, bei der anderen eine saftige "Bereitstellungsgebühr".