In einer Art Kettenreaktion nahm Umweltminister Nicholas Ridley sofort den Ball auf. "Wenn wir den Treibhauseffekt anhalten wollen, dann brauchen wir eine massive Steigerung nuklearer Kapazität. Atomkraftwerke geben weder Schwefel noch Kohlendioxid ab. Sie erlauben die sauberste Form der Stromerzeugung." Ridleys Hinweis, das Polareis werde bei einer Erwärmung der Erde abschmelzen, wurde in der Presse in die erhofften Schlagzeilen umgesetzt. "Schaltet auf Atomkraft um, oder wir ertrinken", warnte das Massenblatt Today.

Die Regierung glaubt, daß sie die Gegner der Atomkraft an einer verwundbaren Stelle packt. Zur Zeit läuft in England wieder eine öffentliche Anhörung über den geplanten Bau eines Kernkraftwerkes, diesmal Hinkley Point C in Somerset, wo die Gegner abermals die ganze Reihe der bekannten Argumente aufbieten. In dem Maße, wie die Regierung nun den Treibhauseffekt als die große Bedrohung beschwört, relativiert sie die Gefahren der nuklearen Stromerzeugung und sucht diese auf akzeptable Risiken zu reduzieren. Wenn sie auch nicht ihre erklärten Gegner dazu bringen kann, das Atomprogramm zu sanktionieren, so will sie doch das Klima der öffentlichen Meinung ändern. Atomkraft braucht keine enthusiastischen Befürworter. Es reicht, wenn sie als das kleinere Übel akzeptiert wird.

Die Anti-Atom-Lobby ist aufgestört. Sie findet es zynisch, wenn eine Regierung, die bisher nicht gerade durch ihre Aktivität auf dem Gebiet des Umweltschutzes glänzte, nun den Treibhauseffekt entdeckt. Sie befürchtet, daß das glatte Argument für die "wirklich grüne Atomkraft" verblüfft und Eindruck macht. Sie sieht aber nun um so mehr Grund, mit ihren Argumenten gegenzuhalten und Einsparung von Energie und umweltfreundliche Energiequellen zu betonen, anstatt eine Umweltgefahr gegen die andere auszuspielen.