Die Sowjets schienen derweil wenig geneigt, dem jungen Mann seinen Wunsch zu erfüllen. Sie erlaubten ihm lediglich, sich auf Jahresbasis in der Sowjetunion aufzuhalten und schickten ihn nach Minsk, daß er dort in einer Radiofabrik arbeite.

Anscheinend aber waren sie nicht völlig unzufrieden mit dem ungelernten Arbeiter. Jedenfalls verlängerten sie ihm die Aufenthaltsgenehmigung im Jannuar 1961 um ein Jahr. Doch nun hatte Oswald die Lust verloren. Er schrieb an die amerikanische Botschaft und bat, in die Vereinigten Staaten zurückkehren zu dürfen.

In den folgenden Tagen lernte er die 19jährige Pharmakologin Marina Nikolajewna Prusakowa kennen, die er eiligst heiratete. Während der nächsten zwölf Monate betrieb er ihre gemeinsame Ausreise. Das State Department in Washington entschied, er habe seine amerikanische Staatsbürgerschaft nicht verloren. Im Februar 1962 gebar Marina ein Mädchen. Am 1. Juli verließ die kleine Familie Moskau; zwei Wochen später traf sie in Fort Worth, Texas, ein. Das State Department hatte ihnen die Reisekosten vorgestreckt: 435,71 Dollar.

In Fort Worth lebten sie bei Oswalds Bruder Robert. Ein Kreis russischsprechender Bürger half ihnen mit kleinen Lebensmittelspenden, Kleidern und Haushaltsgeräten. Besser vielleicht: Sie halfen Marina, denn niemand mochte Lee Harvey. Auch die FBI-Agenten, die ihn einvernahmen, fanden ihn arrogant und nicht kooperativ. Immerhin erklärte er, nicht in sowjetische Spionage verwickelt zu sein, und versprach dem FBI, er werde es sofort informieren, falls jemand versuche, ihn für Spionagetätigkeiten zu gewinnen.

Trotz alledem gab sich Oswald weiterhin als überzeugter Marxist aus. Er kritisierte die hilfsbereite Gruppe russischsprechender Bürger, weil sie an Demokratie und Kapitalismus glaubten. Er verlor einen Job nach dem anderen. Unter dem angenommenen Namen A. Hidell bestellte er per Post bei einem Waffenhändler in Chicago den italienischen Karabiner Mannlicher-Carcano. Preis: 12,78 Dollar für die Waffe; 7,17 für das Zielfernrohr; 1,50 für die Versandkosten. Unter demselben Namen bestellte er auch einen 38er Revolver der Marke Smith & Wesson, ebenfalls per Post, bei einem anderen Lieferanten.

Am 10. April 1963 versuchte er, den pensionierten Generalmajor Edwin Walker, einen umstrittenen rechtsradikalen Politiker, mit dem Gewehr zu töten.

Bald darauf tauchte er in New Orleans auf: als Sekretär eines Fair Play for Cuba- Komitees, dem ein A. Hidell als Präsident vorsaß. Als Oswald für diese fiktive Ein-Mann-Organisation in New Orleans Pro-Castro-Flugblätter verteilte, kam es zu einer Rangelei. Er wurde festgenommen, wieder einmal vom FBI verhört. Kaum auf freiem Fuße, hatte er zwei Radio-Auftritte – als "Sprecher" des Komitees.