Von Gunhild Lütge

Robby hat – wie immer – gute Laune. Er kann besonders gut zuhören, und deshalb ist sein Typ in Altenpflegeheimen und Krankenhäusern gefragt. Er möchte nicht mit denen tauschen, die in der Fabrik arbeiten, in Gefängnissen als Aufseher ihre Runden drehen oder in den Kasernen Dienst tun.

Heute soll Robby in der Bibliothek die neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet der Gehirnforschung erkunden. Zu diesem Thema hat sich nämlich im Heim eine Studiengruppe gebildet. Die Zeit, in der noch Bücher ausgeliehen wurden, ist längst vorbei. Robby geht in eine schalldichte Zelle und fragt das komprimierte und gespeicherte Wissen aus einer Riesendatenbank ab. Er kann sich mit dem Elektronengehirn in natürlicher Sprache unterhalten.

Robby ist ein Top-Roboter, wie ihn sich die Vorreiter unter den Computerwissenschaftlern in ihren kühnsten Träumen schon vorstellen können. Bereits Ende der fünfziger Jahre hatten amerikanische Experten wie Herbert Simon, Edward A. Feigenbaum, Joseph Weizenbaum, Marvin Minsky oder John McCarthy die Vision, Maschinen mit Künstlicher Intelligenz (KI) zu schaffen. Darunter verstehen sie im Grunde, Computer mit den fünf Sinnen auszustatten, sie also das Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken zu lehren. Auch Denken sollen sie natürlich können.

Lange Zeit als Spinner abgetan, sind KI-Experten heute die Stars in der Computerwelt. Konferenzen zum Thema, die früher in kleinen

esoterischen Zirkeln stattfanden, sind mittlerweile von Vertretern aus der Industrie bevölkert. Und heute erzeugt Professor Feigenbaum von der Stanford University in Wirtschaftskreisen kein müdes Lächeln mehr, wenn er kundtut, daß die Künstliche Intelligenz zweifelsohne zu einer der wichtigsten Technologien werden wird.

Die Marktforscher der Prognos AG in Basel haben sogar schon das Marktvolumen beziffert, mit dem sie allein bis 1990 rechnen: Rund fünf Milliarden Dollar werden danach Anwender weltweit für Produkte aus diesem Gebiet ausgeben. Grund genug für die Basler, eine eigene Gesellschaft zu gründen, die private und öffentliche Auftraggeber bei Einführung von Methoden und Verfahren der Künstlichen Intelligenz in der Schweiz beraten soll.