„Dominick and Eugene“ von Robert M. Young

Den ganzen Jammer des heutigen Illusionskinos aus Hollywood könnte man an diesem Film deutlich machen. Zu vieles soll auf einen Streich gelingen: Dramatik und Aufklärung, Rührung und engagiertes Plädoyer.

Es geht um Zwillinge, um einen angehenden Arzt (Ray Liotta) und seinen fast debilen Bruder (Tom Hulce). Der eine kümmert sich unablässig um den Behinderten. Der andere finanziert als Müllfahrer den gemeinsamen Haushalt. Zwölf Minuten trennen sie bei der Geburt, im Leben wagen sie die Symbiose. Doch eines Tages ändert sich alles: Neue Begegnungen reißen neue Wunden auf.

Robert M. Youngs einfache, melodramatische Geschichte ist vom Diktat des Gutgemeinten unterhöhlt. Immer muß noch etwas Zusätzliches her: Selbst das tränenentrückte melo muß noch ein besonderes Interesse zur Schau stellen, das seinen Unterhaltungswert legitimiert – ein soziologisches oder moralisches, psychologisches oder politisches Interesse. Sogar die simplen Schnulzen sind inzwischen zu Super-Schnulzen geworden.

Young inszeniert seinen Film für kritische Sozialarbeiter mit Engagement, doch ohne visuelle Phantasie. Seine Bilder propagieren unentwegt moralische Tugenden. Das Erzählen selbst ist dabei auf Null gebracht: bloßer Vollzug einer vorgegebenen Idee. Aber von seinen Helden, die voll aufgehen im erzählerischen Konzept, geht keinerlei Magie aus. Sie wirken nur noch wie Puppen, die ein paar wohlmeinende Absichten zum Tanzen bringen.

Ein weiteres Dilemma machen die Schauspieler offenkundig. Der Film zeigt Kunst und Tragik des method actor. Alles scheint er zu beherrschen, alles Innere mit dem Körper zum Ausdruck zu bringen. Doch die Kamera ist unbestechlich: Sie fordert Präsenz. Ansonsten offenbart sie, ganz schonungslos, was tatsächlich ist. Sie enthüllt jeden Schein: jedes Spielen, Deklamieren, Gestikulieren, Grimassieren. Norbert Grob

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