Mit dem Frieden ist es eine mühsame Sache. Das zeigt sich in diesen Tagen, nachdem noch im Sommer alle Zeichen auf ein baldiges Ende der großen Regionalkonflikte deuteten. Waffenstillstand am Golf, Afghanistan-Abkommen in Genf, Beginn des vietnamesischen Truppenabzugs aus Kambodscha, Gespräche über Angola und Namibia: 1988, so schien es, würde als ein Jahr des Friedens eine veritable Fußnote in den Geschichtsbüchern abgeben.

Inzwischen ist allenthalben Ernüchterung eingekehrt. Am Persischen Golf schweigen zwar seit dem 20. August die Waffen. Aber die Genfer Friedensverhandlungen kommen nicht voran. „Lange Gespräche, kein Fortschritt“, kommentierte Irans Außenminister Velajati den zähen Dialog mit dem Irak. Ein Resultat immerhin brachte die mittlerweile dritte Verhandlungsrunde: Die kranken und verwundeten Kriegsgefangenen sollen ausgetauscht werden – zunächst 411 Iraner und 1158 Iraker.

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Ins Stocken geraten ist der Abzug der Roten Armee aus Afghanistan. Mit verstärkten Rebellenangriffen und fortgesetzten Waffenlieferungen der Amerikaner an die Mudschaheddin begründet der Kreml die Unterbrechung des Truppenrückzugs. In Washington haben Präsident Reagan und Außenminister Shultz dem Führer der moslemischen Widerstandsallianz, Burhanuddin Rabbani, gerade weitere Hilfe zugesagt. Das Moskauer Außenamt betont zwar, die verbliebenen 50 000 sowjetischen Soldaten würden termingerecht bis zum 15. Februar abgezogen. Doch der amerikanische Waffenschub böte den Kreml-Herren eine passende Ausrede, sollten sie es sich angesichts ihres bedrängten Vasallen in Kabul anders überlegen.

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Eine Lösung des Kambodscha-Konflikts ist wieder in weite Ferne gerückt. Vietnam hat auf Drängen der Sowjets zwar versprochen, seine rund 120 000 Mann starke Besatzungsstreitmacht bis 1990 aus dem Nachbarland abzuziehen, aber bisher haben nach Schätzungen westlicher Geheimdienste noch nicht einmal 10 000 vietnamesische Soldaten Kambodscha verlassen. Gespräche zwischen dem von Hanoi in Phnom Penh eingesetzten Ministerpräsidenten Hun Sen und dem Chef der antivietnamesischen Dreier-Koalition, Prinz Sihanouk, blieben vergangene Woche ergebnislos. Hun Sen verlangt Garantien gegen eine neuerliche Machtübernahme der mörderischen Roten Khmer. Die aber könnten allenfalls die Chinesen, die treuen Verbündeten Pol Pots, geben. Peking jedoch denkt nicht daran, die vietnamesischen Abzugsversprechungen mit Vorleistungen zu honorieren.

Der trickreiche Prinz Sihanouk, von China auf einen harten Kurs eingeschworen, steckt in der Klemme. Die für Januar geplanten Friedensverhandlungen sind nun erst einmal auf den September 1989 verschoben worden.