Der Chemiekonzern BASF zieht eine Zukunftstechnik aus Deutschland ab

Von Wolfgang Gehrmann

Der Abgeordnete kam sich vor wie eine Marionette des Großkapitals. Eigentlich ein Gewerkschafter und Sozialdemokrat vom alten Schlag, hatte Manfred Reimann sich seit Wochen in Bonn gegen die herrschende Parteilinie für die Interessen des Chemiekonzerns in seinem Ludwigshafener Wahlkreis eingespannt. In aller Deutlichkeit nämlich hatte der Vorstand der Badischen Anilin- und Sodafabrik BASF klargemacht, was er vom Standort Deutschland erwartete: Entweder würden die gesetzlichen Regelungen für die Genehmigung neuer Produktionsanlagen gelockert, oder der Konzern würde stattliche Forschungsinvestitionen ins Ausland verlagern.

Just nämlich als die BASF im Frühsommer dieses Jahres die Baugenehmigung für ein 130 Millionen Mark teures gentechnisches Forschungs- und Entwicklungszentrum in Ludwigshafen bekommen hatte, wurde in Bonn bekannt, daß vom 1. September an striktere Auflagen für umstrittene neue Produktionen der Biotechnik gelten sollten. Bis dahin konnten die Chemieunternehmen sich Genlabors ohne Beteiligung der Öffentlichkeit von den Behörden genehmigen lassen. Vom September an aber schrieb die „Novelle der 4. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes“ vor, daß Genanlagen unter öffentlicher Beteiligung zugelassen werden müßten, wenn von ihren Erzeugnissen auch nur ein Gramm auf dem Markt verkauft werden sollte. BASF-Vorstand Ingo Paetzke: „Da hat es uns gereicht.“

Obwohl der Chemiekonzern sich die Vorbereitungen für sein Ludwigshafener Genlabor schon zwei Millionen Mark hatte kosten lassen, stoppte er das Projekt. Die laut verkündete Verärgerung der BASF verfehlte nicht die gewollte Wirkung. Arm in Arm mit der rheinland-pfälzischen CDU versuchte der lokale SPD-Bundestagsabgeordnete Manfred Reimann, für die IG Chemie im BASF-Aufsichtsrat vertreten, die brisante Novelle zu entschärfen. Vergebens.

Reimann blieb nur der eher schwache Trost, daß er am 10. November als erster aus einem Brief des Vorstands erfuhr, was die BASF beschlossen hatte: Der Chemiemulti baut sein neues Genzentrum nicht in Ludwigshafen, sondern jenseits des Atlantiks im amerikanischen Boston.

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