Von Barbara Supp

Sein Haar war schwarz, hinten kurz, vorne lang, und sein Radfahrdress in Neongrün saß prachtvoll auf der Haut. Er war der einzige an diesem Novembermorgen, der mit seiner Rennmaschine seine Runden um die Alster zog wie an jedem Sonntag in dieser Saison, verliebt in seine Muskeln und in seine Maschine.

Es war die Saison der radelnden Yuppies. Der Menschen, die sich darum sorgen, daß noch im Fahrtwind die Haartolle stimmt, die gerne auch auf der Radsporthose das Lagerfeld-Signet spazierenfahren würden. Jener, für die der Krefelder Künstler Klemens Großimlinghaus Designertrikots entwirft: Gemälde für die Radlerbrust, in limitierter Auflage.

Eine neue Gruppe im Radfahrervolk, das ja schon längst nicht mehr nur aus Ökos, Familien oder Muskelfreunden besteht. Jane Fonda radelt und Henning Voscherau, Versicherungsmanager in Düsseldorf tun es und die Beamten von 7014 Kornwestheim; letztere per Dienstanweisung.

Jetzt, wo es kalt wird, ist die Saison der Fahrrad-Narzisse vorbei. Bei fünf Grad plus gehört der Radweg wieder den Überzeugungsradlern: jenen, die man auch mal ohne jede Scham auf dem rostigen Dreigang-Rad sieht, die oft seit Jahren und unverdrossen um Raum für Radfahrer kämpfen und sich, womöglich, gar organisieren: Im „Allgemeinen Deutschen Radfahrer-Club“, im „Rad- und Kraftfahrerbund Solidarität“, der einst „Arbeiter-Radfahrer-Bund“ hieß, oder „Bund Deutscher Radfahrer“.

Dem gestylten Radler ist so etwas fremd. Und er räumt das Feld, wenn es winterlich wird, zieht sich und sein Rad aus dem Verkehr zurück, bis es im kommenden Jahr wieder wärmer wird. Und dann wird wohl alles noch wilder werden: schriller, modischer und teurer, versteht sich.

Sie planen schon. Auf der diesjährigen IFMA, der Fahrradmesse im Köln, da sah man sie zuhauf, die schönen Menschen vor den schönen Bikes. Sicher, Schönheit allein genügt nicht, man versteht auch etwas von der Technik, von der Hydraulikbremse, der Radialnabe und dem Leichtpedal aus Magnesium. Aber das alles ist nicht so wichtig. Wichtig ist, daß vom Lenker bis zum Tretlager die Optik stimmt. Wie bei den neuen Mountain-Bikes, schwarz mit schreiendem Leuchtrosa, oder, ganz fetzig, bei den Scheibenrädern – mit der Palmeninsel drauf, oder vielleicht auch mit dem Sonnenuntergang in leuchtendem Orange. Das macht etwas her auf dem Sonntagsritt, und das macht sich auch gut unter dem Weihnachtsbaum.