Gott schütze Rheinland-Pfalz! – Mit diesem Stoßseufzer rief Bernhard Vogel in der Stunde seines Sturzes den Höchsten an. Doch woher wollte er die Gewißheit beziehen, daß ausgerechnet seine Abwahl als CDU-Landesvorsitzender und sein vom eigenen Trotz erzwungener Rücktritt als Ministerpräsident die Notwendigkeit göttlichen Schutzes für diesen Landstrich in gesteigertem Maße bedingt? Gerade die Wachablösung in Rheinland-Pfalz könnte sich als ein Segen erweisen – wenn schon nicht für das Bundesland, so doch für die Union.

Des höchsten Beistandes aus Bonn konnte sich Vogel jedenfalls schon lange nicht mehr erfreuen: Helmut Kohl ließ oft genug durchblicken, daß er seinen ungeliebten Nachfolger in der Mainzer Staatskanzlei lieber woanders und seinen ungeliebten Generalsekretär Geißler lieber in Mainz als in Bonn sähe. Kohls Aufruf in letzter Stunde, die Delegierten sollten sich doch gefälligst hinter Vogel zusammenscharen, konnte weder echt noch effektiv wirken, (siehe auch Seite 8)

Doch der Koblenzer Rittersturz vom Wochenende bedeutet mehr, als die routinierten Parteitaktiker schon zu erkennen vermögen. Viel zu selten finden hierzulande mitten im Ritt Führungswechsel aus allein politischen Gründen statt. Oft bedarf es peinlicher Enthüllungen Stück um Stück, bis ein Politiker erkennt: Das Spiel ist aus. Der Aufbruch und Durchbruch des Hans-Otto Wilhelm zeigt: So verkalkt sind die Strukturen unserer Parteipolitik gar nicht. Es ist durchaus wieder Bewegung ins Spiel zu bringen – sofern nur einer beherzt genug die Kreise der selbstherrlich gewordenen Amtsinhaber stört.

Die Krise der Union, die Krise all unserer Parteien – sie ist nicht im Auftreten solcher Herausforderer zu sehen, sondern vielmehr darin, daß andernorts die Wilhelms (und die Wilhelminen) nicht zu erkennen sind. Die Union in Schleswig-Holstein kann sich hoch lange nicht vom Schatten Barschels und von ihrem Landesvorsitzenden Stoltenberg lösen. Die CDU in Niedersachsen will mit ihrem aufgebrauchten Duo Albrecht/Hasselmann auch ins nächste, vielleicht auf lange Sicht letzte Gefecht ziehen – obgleich der Ministerpräsident bei dieser besonders passenden Gelegenheit erzählt, sein Lebensplan sei eigentlich ein anderer. Aber auch die Sozialdemokraten schmoren gern im abgestandenen Saft, wie die Abfuhr für Peter Glotz im bayerischen Notstandsgebiet zeigt.

Das Mainzer Beispiel weckt Hoffnung in den politischen Hütten, Furcht herrscht nur in den Palästen der Parteipolitik. R.L.