Ich dachte, er sei verrückt, und antwortete: "Da müssen Sie sich an den KGB wenden, am besten an Wladimir Semitschastnij (war damals KGB-Chef, d. Red.); der wird, falls nötig, Nikita Chruschtschow unterrichten."

"Das kann ich nicht. Semitschastnij ist selbst aktiv in die Verschwörung verwickelt, zusammen mit Scheljepin, Podgorny und anderen. Genosse Chruschtschow droht Gefahr!"

"Rufen Sie in ein paar Tagen noch mal an. Er kehrt bald zurück", versuchte ich ihn zu beruhigen. "Das wird mir kaum möglich sein. Vielleicht können Sie mich anhören und unser Gespräch Ihrem Vater berichten?" Ich zögerte. "Nun gut. Geben Sie mir Ihre Adresse, und ich komme heute abend bei Ihnen vorbei." "Nein, nein, das geht nicht. Es ist besser, wenn wir uns irgendwo auf der Straße treffen." Wir vereinbarten, daß ich mit meinem Auto zu einer bestimmten Straßenecke fahren und ihn dort zusteigen lassen sollte.

An der vereinbarten Straßenecke entdeckte ich die Umrisse einer einsamen Männergestalt. Ich hielt an. "Sind Sie Wasilij Iwanowitsch Goljukow?" Der Mann nickte und schaute sich um. Vorsichtig setzte er sich auf den Vordersitz neben mich. Ich fuhr los. "Lassen Sie uns rausfahren, irgendwo in ein Wäldchen, dort ist es ruhiger", schlug der Mann vor. Dort angekommen, begann Goljukow: "Als ich 1961 in Pension ging, blieb ich mit Ignatow befreundet. Er beschaffte mir einen sorgenfreien Posten bei sich in der Wirtschaftsabteilung. Eine besondere Arbeit gab es da nicht. Wenn Ignatow in den Urlaub oder auf Dienstreise fuhr, begleitete ich ihn. So auch in diesem Jahr."

Während der Sommermonate schien sich nun Ignatow häufig mit den Ersten Sekretären verschiedener Gebiets- und Stadtkomitees zu Gesprä-

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chen unter vier Augen getroffen zu haben. Goljukow fiel dabei auf, daß sich Ignatow wiederholt negativ über Chruschtschow äußerte und Andeutungen über bevorstehende wichtige Veränderungen auf höchster Ebene machte.