Mir rutschte fast das Herz in die Hose. Genau das hatte noch gefehlt: sich Feinde auf der Ebene der ZK-Präsidiumsmitglieder zu machen. Wenn es tatsächlich dummes Zeug war, was mir Goljukow erzählt hatte, dann würden mir Podgorny und die anderen diese Geschichte niemals verzeihen.

"Am Mittwoch fahre ich, wie geplant, in den Urlaub ans Schwarze Meer nach Pizunda", fuhr Vater fort, "und ich habe Mikojan gebeten, sich mit diesem Mann zu unterhalten. Er soll dessen Berichte überprüfen." Ich machte mir Sorgen. Alles war danebengeraten. Auf jeden Fall befand ich mich in einer sehr unangenehmen Lage. Wenig später meldete sich Mikojan und bat um ein Treffen mit Goljukow. Gewöhnlich empfing mich Anastas Mikojan freundschaftlich, erzählte verschiedene Neuigkeiten und machte Witze. Diesmal aber war er kühl und offiziell.

Nun berichtete Goljukow, was er mir im Wald erzählt hatte. "Genosse Goljukow", unterbrach ihn Mikojan, "Sie sagen selbst, daß Ignatow den Genossen Chruschtschow schon lange ablehnt. Warum wenden Sie sich erst jetzt an uns?"

"Früher maß ich dem Schimpfen Ignatows keine besondere Bedeutung bei. In diesem Sommer jedoch sprach Ignatow häufig von der Unzufriedenheit der Militärs. ‚Die haben‘ so sagt er, ‚Chruschtschow satt mit seinen ewigen Kürzungen, und zwar bis zum Halse. Die warten nur, bis man ihn...‘. Ignatow drehte mit Genuß den Finger um. Ich glaube, daß Ignatow von meinen Gesprächen mit Sergej erfuhr. Er ist jetzt sehr wachsam." Und Goljukow betonte: "Bevor ich Ihnen meine Mitteilungen machte, habe ich mich überzeugt, daß meine Worte wahr sind. Als Kommunist und Tschekist kann ich nicht anders handeln."

Mikojan antwortete: "Ich danke Ihnen. Aber ich möchte anmerken, daß wir auch Nikolai Wiktorowitsch Podgorny, Leonid Ilitsch Breschnjew, Alexander Nikolaitsch Scheljepin und andere Genossen als ehrliche Kommunisten kennen, die seit vielen Jahren ihre Kräfte selbstlos dem Wohle des Volkes und dem Wohle der Kommunistischen Partei hingeben."

Seit jener Unterredung machte ich mir um Goljukow große Sorgen; wahrscheinlich wußte Ignatow alles und versäumte nicht, mit dem "Verräter" abzurechnen. Auf Umwegen habe ich dann später erfahren, daß er wohl Schwierigkeiten bekam, daß man sich aber nicht ernsthaft mit ihm beschäftigte und ihn schließlich in Ruhe ließ.

Wenig später fuhr auch ich in den Urlaub zu meinem Vater nach Pizunda; Mikojan war dort bereits eingetroffen. Auftragsgemäß hatte ich von der Unterredung zwischen Goljukow und Mikojan ein Protokoll angefertigt und es mitgebracht. "Gib sie Anastas Mikojan", sagte mein Vater, "gestern kam Worobew, der Krasnojarer Gebietskomitee-Sekretär", fuhr er fort. "Wir haben ihn über diese Gerüchte ausgefragt. Er hat alles verneint. Es scheint, daß sich nichts dergleichen zugetragen hat." Vater hielt das Thema für erledigt.